Panorama

Hilfswerk Deutscher Zahnärzte 2018

Mission und Lebensaufgabe zugleich

Für die St. James Primary School in Kenia wurden Schulbücher gespendet.
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Für die St. James Primary School in Kenia wurden Schulbücher gespendet.

Mal ehrlich: Wissen Sie eigentlich, für welche Projekte Ihre Spendengelder ausgegeben werden? Als Zahnärzte mit Praxis, Familie und anderen Verpflichtungen haben Sie wahrscheinlich ebenso wenig Zeit, sich en détail mit der Arbeit des Hilfswerks Deutscher Zahnärzte für Lepra- und Notgebiete (HDZ) zu beschäftigen wie ein Verantwortlicher einer Dentalfirma, ein Laborchef oder der Leiter einer Zahnklinik. Dabei unterstützen vielen von Ihnen das HDZ schon seit Jahren und Jahrzehnten. Ein schneller Blick auf die Facebook-Seite oder die Website der Stiftung ist sicher immer hilfreich, aber dennoch kaum ausreichend, um die Vielfalt der Projekte und Hilfsmaßnahmen zu erfassen. Umso wichtiger ist es, zum Jahresende wieder einmal einen Blick „hinter die Kulissen“ der Hilfsorganisation zu werfen und zu fragen: „Was hat sich getan? Welche Projekte konnten vorangetrieben werden? In welchen Teilen der Welt haben Menschen in Not von den Hilfsmaßnahmen des HDZ profitiert?“

Auch in diesem Jahr konzentrierte sich die Arbeit des HDZ-Teams um Dr. Klaus-Achim Sürmann (Vorsitzender) und Dr. Klaus Winter (stellvertretender Vorsitzender) wieder auf vier große Bereiche: (Zahn-)Medizinische Versorgung, Bildung und soziale Projekte, Lepraprojekte und Nothilfen.

Die neue Zahnstation in Togo
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Die neue Zahnstation in Togo.

Medizinische Versorgung ist keine Selbstverständlichkeit

Seit Anfang 2018 investierte das HDZ rund 89.000 Euro in die medizinische und zahnmedizinische Versorgung von Menschen in verschiedenen Ländern. So freuten sich Menschen im afrikanischen Togo und auf Madagaskar über die Lieferung von zwei gebrauchten Zahnstationen, an denen regionale Zahnärzte nun endlich ihre Behandlungen durchführen können. In Tansania erhielt eine Klinik ein dringend erforderliches Röntgengerät und eine Zahnstation „aus zweiter Hand“. „Obwohl das HDZ nur noch sporadisch guterhaltene Behandlungseinheiten von Deutschland aus in die Bedarfsländer verschickt, da die Transportkosten und der Kauf vor Ort wesentlich günstiger sind, lohnte es sich diesmal, die Geräte in bereitstehende Container zu packen“, berichtet Winter.  

Abgesehen davon konnte in Argentinien und auf den Philippinen das erfolgreiche Zahnprophylaxe (HDZ-Oral Health Care Program) weiter ausgebaut werden, das die Mundgesundheit besonders von Kindern und Jugendlichen verbessern möchte. Und in Ruanda erhielt die Dental School in Kigali zahnmedizinische Materialien für die Ausbildung weiterer Fachkräfte.

Mit Bildung für eine bessere Zukunft

Rund 220.000 Euro (Stand Ende Oktober 2018) hat das HDZ in den vergangenen zehn Monaten in Bildungsprojekte investiert. Ziel ist es, Kindern und Jugendlichen aus armen Ländern und sozial schwachen Familien durch Bildung den Weg in eine hoffnungsvollere Zukunft zu ermöglichen. Ein gutes Beispiel für die Nachhaltigkeit dieses Ansatzes ist Rumänien. In der Diözese Satu Mare im Norden des Landes hat das HDZ in den vergangenen 14 Jahren mehr als 1,4 Mio. Euro in Sozialprojekte investiert. Im Oktober waren Dr. Klaus Winter und seine Frau Helga erneut zu Besuch in den Karpaten und überzeugten sich vom Erfolg verschiedener Projekte. Eines davon ist das Integrationszentrum „Stella Maris“ in Carei, das sich um die Integration von Roma-Kindern kümmert und vor fast zehn Jahren vom HDZ errichtet und auch weiterhin unterstützt wird.

Ein anderes positives Beispiel ist das „Haus des Lächelns“ in Micula nahe Satu Mare. Dort kommt die Hilfe des HDZ geistig behinderten Menschen zugute. Und auch das vom HDZ im Jahr 2013 renovierte Sozialzentrum in Botiz freute sich über die Gäste aus Deutschland. In diesem Zentrum werden alte Menschen gepflegt und betreut, für die es in Rumänien sonst kaum staatliche Unterbringungsmöglichkeiten gibt.

Lohnende HDZ-Bildungsprojekte wie der Neubau von Schulen auf Madagaskar und in Uganda sowie die Finanzierung eines zweiten Lehrrestaurants in Vietnam waren ebenfalls sinnvolle Entwicklungshilfen der Stiftung wie die Übernahme von unerschwinglich hohen Prüfungsgebühren für Abiturienten der Mogra-Star Academy in Mathare – einem der weltweit größten Slums in Nairobi, Kenia.

Partnerorganisationen verteilen Hilfsgüter in Indonesien
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Partnerorganisationen verteilen Hilfsgüter in Indonesien.

Kampf gegen Lepra

Ein weiterer Teil der diesjährigen Spendengelder, genauer gesagt 52.000 Euro flossen in Lepra-Hilfsprojekte. Ein Teil davon kam der Prävention und Rehabilitation von Leprapatienten in den Provinzen Guangdong und Jiang in China zugute. Ebenso erhielten in Indien die Lepra-Klinik von Dr. Rousselot in Bhubaneswar und das Bombay Leprosy Project in Mumbai finanzielle Unterstützung. Mehr Informationen und die Geschichten zu den jeweiligen Projekten können auf der Website des HDZ nachgelesen werden. Das Thema Lepra wird außerdem in einem gesonderten Artikel vom HDZ aufgegriffen, der zum Welt-Lepra-Tag am 28. Januar 2019 erscheinen wird.

Dr. Winter beim Besuch eines Lepradorfs in Vietnam (links) und bei der Behandlung eines Leprakranken in China.
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Dr. Winter beim Besuch eines Lepradorfs in Vietnam (links) und bei der Behandlung eines Leprakranken in China.

Soforthilfen nach Naturkatastrophen

Leider blieben in diesem Jahr auch wieder Tausende von Menschen nicht vor Naturkatastrophen verschont. So wurde Indonesien von einem Tsunami heimgesucht, und die Insel Sulawesi wurde zusätzlich durch ein schweres Erdbeben erschüttert. Im Juli kämpfte Laos gegen die Wassermassen infolge eines Dammbruchs, und im Sudan wütet die schlimmste Dürre seit Jahrzehnten. Um die Not der Betroffenen zumindest ein klein wenig zu lindern, stellte das HDZ daher seinen Partnern vor Ort unbürokratisch einen Teil seiner Spendenmittel in Höhe von 35.000 Euro für Soforthilfemaßnahmen zur Verfügung.

Zusammenfassend bleibt festzuhalten: Die Arbeit des HDZ ist ein nicht enden dürfendes Großprojekt, das sich aus vielen Einzelmaßnahmen zusammensetzt, die sich oftmals über Jahre hinweg entwickeln und die Lebenssituation vieler Menschen nachhaltig verbessern. „Es ist mehr als eine Lebensaufgabe, es ist eine Mission, eine moralische Verpflichtung für uns, die wir buchstäblich auf der Sonnenseite dieser Welt leben“, sagt Dr. Klaus A. Sürmann, HDZ-Vorsitzender. „Daher werden wir auch nicht müde, unseren Spendern zu danken und um weitere Unterstützung und Treue zu bitten – so auch zu diesem Jahresausklang.“

Yvonne Schubert, text & Image, Nordstrand