Milchzähne endodontisch zu behandeln ist keine Selbstverständlichkeit. Mit Pulpotomien lassen sich Milchmolaren aber relativ einfach erhalten.

Mineral Trioxide Aggregate

MTA ersetzt Formokresol: Pulpotomie bei Milchzähnen ist einfach

Für eilige Leser

  • Pulpotomien bei Milchzähnen sind einfach durchzuführen.
  • Sie sind nur bei partieller Pulpitis indiziert.
  • Vorteile für MTA, aber Überlegenheit ist nicht bewiesen.
  • Preis von MTA/Portlandzement inzwischen akzeptabel.
  • Der definitive Verschluss muss sofort erfolgen und dicht sein.

Milchzähne endodontisch zu behandeln ist keine Selbstverständlichkeit. Mit Pulpotomien lassen sich aber zum Beispiel Milchmolaren relativ einfach erhalten – häufig für viele Jahre bis zum Durchbruch der Prämolaren. Anstelle der traditionellen Pulpotomie mit dem toxischen Formokresol bietet sich hierfür Mineral Trioxide Aggregate (MTA) oder medizinischer Portland-Zement an.

Milchzähne endodontisch zu behandeln ist keine Selbstverständlichkeit. Mit Pulpotomien lassen sich Milchmolaren aber relativ einfach erhalten.

Milchzähne endodontisch zu behandeln ist keine Selbstverständlichkeit. Mit Pulpotomien lassen sich Milchmolaren aber relativ einfach erhalten.

Pulpotomien sind indiziert, wenn bei der Kariesexkavation die Pulpa eröffnet wird und sich das hellrote Blut leicht stillen lässt. Schmerzen dürfen nur kurzzeitig aufgetreten sein, wobei eine präoperative Diagnostik mit Perkussion, Kältetest und Röntgen unsicher ist [1]. Sie kann aber im Vorfeld zum Beispiel Hinweise auf eine Infektion des interradikulären Raums über akzessorische Kanälchen geben [2]. Der Zahn sollte zudem restaurationsfähig sein und die Wurzeln noch weitgehend intakt (wenig resorbiert). Eine profuse, dunkelrote und schwierig zu stillende Blutung deutet auf eine totale Entzündung der Wurzelpulpa und ist eine Kontraindikation.

Methode: Nach Infiltrations- oder intraligamentärer Anästhesie wird zunächst das Pulpadach abgetragen. Die Pulpa wird – wenn möglich unter Kofferdam – mit einem sterilen runden Diamantschleifer und bis zu den Wurzelkanaleingängen amputiert. Gekühlt wird mit steriler Kochsalzlösung. Nach der Blutstillung kann zur Stabilisierung Eisen-III-Sulfat appliziert und wieder abgesprayt werden. Nach erneuter Trocknung wird MTA oder Portlandzement direkt auf die nicht blutende Wunde appliziert. Wegen der meist langen Abbindedauer wird das Material mit einem Glasionomerzement überdeckt. Der sofortige und dichte Verschluss erfolgt mit einem adhäsiven Füllungsmaterial oder einer Stahlkrone.


Hinweis

Beiträge in der Rubrik ZahnMedizin kompakt können in keinem Fall die klinische Einschätzung des Lesers ersetzen. Sie sind keine Behandlungsempfehlung, sondern sollen – auf der Basis aktueller Literatur – die eigenverantwortliche Entscheidungsfindung unterstützen.


Neben MTA können unterschiedliche Materialien mit ähnlichem Erfolg verwendet werden, unter anderem das toxische Formokresol und Eisen-III-Sulfat (ohne MTA). Die Überlegenheit einer bestimmten Methode ist nicht bewiesen, Kalziumhydroxid zeigt jedoch die schlechtesten Ergebnisse [3, 4]. Wegen seiner guten Biokompatibilität und seines guten Potenzials, Dentinbrücken zu bilden, erscheint MTA oder Portlandzement aktuell als Methode der Wahl [5, 6]. Die Erfolgsraten liegen zwischen 94 und 100 Prozent [1].

Akzeptabler Preis

Der bis vor Kurzem durchgehend hohe Preis sprach früher gegen MTA-Produkte, ist aber in der Zwischenzeit deutlich gesunken (zum Beispiel Bio MTA/Cerkamed, Medizinischer Portlandzement/Medcem). Der Großteil vorliegender Studien beruht allerdings auf den eingeführten teureren Produkten. Für die relativ neuen Kalziumsilikate (zum Beispiel Biodentine, Septodont) gibt es in Bezug auf Milchzahn-Pulpotomien nur begrenzte, aber vielversprechende Ergebnisse [7].


Literatur

[1] Pabel SO, Hülsmann M. Endodontie im Milchgebiss. Von der Vitalerhaltung bis zur Pulpektomie. Bayerisches Zahnärzte Blatt BZB 2016 (Mai):57-65.

[2] Krämer N. MTA in der Milchzahnendodontie. Anwendung und klinische Bewertung. Bayerisches Zahnärzte Blatt BZB 2010 (Juni):61-64.

[3] Marghalani AA, Omar S, Chen JW. Clinical and radiographic success of mineral trioxide aggregate compared with formocresol as a pulpotomy treatment in primary molars: a systematic review and meta-analysis. Journal of the American Dental Association (1939) 2014;145:714-721.

[4] Smail-Faugeron V, Courson F, Durieux P, Muller-Bolla M, Glenny AM, Fron Chabouis H. Pulp treatment for extensive decay in primary teeth. The Cochrane database of systematic reviews 2014:Cd003220.

[5] Lin PY, Chen HS, Wang YH, Tu YK. Primary molar pulpotomy: a systematic review and network meta-analysis. Journal of dentistry 2014;42:1060-1077.

[6] Stringhini Junior E, Vitcel ME, Oliveira LB. Evidence of pulpotomy in primary teeth comparing MTA, calcium hydroxide, ferric sulphate, and electrosurgery with formocresol. European archives of paediatric dentistry: Official journal of the European Academy of Paediatric Dentistry 2015;16:303-312.

[7] Grewal N, Salhan R, Kaur N, Patel HB. Comparative evaluation of calcium silicate-based dentin substitute (Biodentine(R)) and calcium hydroxide (pulpdent) in the formation of reactive dentin bridge in regenerative pulpotomy of vital primary teeth: Triple blind, randomized clinical trial. Contemporary clinical dentistry 2016;7:457-463.

Dr. Jan H. Koch

Dr. med. dent. Jan Hermann Koch ist seit dem Jahr 2000 als freier Fachjournalist und Berater tätig. Arbeitsschwerpunkte sind Fachartikel, Pressetexte und Medienkonzepte für Dentalindustrie und Verbände. Seit 2013 schreibt Dr. Koch als fester freier Mitarbeiter für die DZW und Fachmagazine, unter anderem die Kolumne ZahnMedizin kompakt (Nachfolge Dr. Karlheinz Kimmel).