Patienten mit Beeinträchtigungen

Mundgesundheit in der pflegerischen Ausbildung

„Prävention von der Wiege bis zur Bahre“

Zahnarzt Dr. Elmar Ludwig aus Ulm ist Vorsitzender des Arbeitskreises Alterszahnheilkunde und Behindertenbehandlung und Referent für Alterszahnheilkunde der Landeszahnärztekammer Baden-­Württemberg. Im Interview mit DZW-Redakteurin Tanja Peschel sprach er über den Stellenwert der Zahnpflege in der pflegerischen Ausbildung.

Inwiefern hat sich die Alterszahnheilkunde in den letzten Jahren verändert?

Dr. Elmar Ludwig: Die Menschen werden heute älter und viele von ihnen zugleich gebrechlicher als früher. Durch die zahnärztliche Prävention haben diese älteren und gebrechlicheren Menschen immer mehr eigene Zähne. Hier ist eine Patientengruppe mit ganz neuen Anforderungen an unsere Profession relevant gewachsen. Wir haben die Herausforderungen und Risiken (wie Gerinnungsstörungen, Wundheilungsstörungen, Schluckstörungen) identifiziert und Behandlungsstrategien mit Augenmaß entwickelt. Da invasive Behandlungen bei gebrechlichen Menschen immer mit erhöhtem Risiko verbunden sind, muss gelten: Prävention von der Wiege bis zur Bahre! Es sind und bleiben Hochrisikopatienten und wir arbeiten im Hochrisikogebiet der Mundhöhle!

Worauf kommt es heute bei der täglichen Zahn- und Mund-Pflege an?

Ludwig: Zähne und komplexer Zahnersatz erfordern heute in der Pflege nicht nur mehr Wissen, sondern auch die Methoden haben sich verändert. Zwei wichtige Stichworte sind die Vermeidung von Aspiration und rückengerechtes Arbeiten. Auch hier haben wir Ideen erarbeitet, und die müssen jetzt nach und nach in die Pflege einfließen. Das Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) wird ab 2019 mit uns zusammen einen Expertenstandard zur Erhaltung und Förderung der Mundgesundheit auf den Weg bringen. Ein toller Erfolg! In den letzten Jahren wurden Tausende Pflegekräfte in Aus- und Fortbildung geschult. Aber selbst dort, wo der Wille zur Umsetzung da ist, erfordert die Entwicklung von Kompetenz und Routine einfach Zeit. Nicht zuletzt muss dieser zusätzliche Pflegeaufwand angemessen honoriert werden.

Gibt es ein strukturiertes Konzept für die Pflegeausbildung, und wie können die Pflege-Lehrkräfte davon profitieren?

Ludwig: Mundpflege ist als Teil der Grundpflege bisher mit durchschnittlich drei bis fünf Unterrichtseinheiten im Lehrplan verankert. Die Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg hat für die Pflegeausbildung ein Mundhygiene-Konzept in Kooperation mit der Konferenz der privaten Altenpflegeschulen Baden-Württemberg (KAS) entwickelt. Lehrkräfte von 15 Schulen wurden dabei fortgebildet und das Konzept im Jahr 2012 mit dem Wrigley-Prophylaxe-Preis ausgezeichnet. Weiterentwicklungen und Anpassungen an das neue Pflegeberufegesetz sind erfolgt. Aktuell umfasst unser Konzept etwa neun bis zehn Unterrichtseinheiten. Seit 2016 bieten wir unter anderem über das Beratungsteam Altenpflegeausbildung im Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BSFSJ) einmal pro Jahr eine eintägige Schulung für interessierte Lehrkräfte und Pflegekräfte an.

Haben Sie Tipps bezüglich Infomaterial zum Thema Alters- und Behindertenzahnheilkunde für zahnmedizinisches Personal, das sich weiter informieren möchte?

Ludwig: Die Deutsche Gesellschaft für Alterszahnmedizin e.V. (DGAZ) wie auch viele Bundesländer bieten inzwischen Fortbildungen und Unterstützungsinstrumente an. Baden-Württemberg hat sich in den letzten Jahren zu einem Schrittmacher entwickelt: Alters- und Behindertenzahnheilkunde bei der Landeszahnärztekammer Baden-Württemberg.


Dieser Artikel ist Teil unseres Schwerpunktes "Patienten mit Beeinträchtigungen".

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