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Forschung

Smartphone als Therapiehelfer

Die Informatiker Awais Akhtar (links) und Florian Schrinner programmieren ein System, um Daten aus Wearables für die Therapie nutzbar zu machen.
UKSH

Die Informatiker Awais Akhtar (links) und Florian Schrinner programmieren ein System, um Daten aus Wearables für die Therapie nutzbar zu machen.

 

Am Institut für Klinische Molekularbiologie (IKMB) des Universitätsklinikums Schleswig-Holstein (UKSH) in Kiel wird mit Unterstützung und Förderung des DFG-Exzellenzclusters „Entzündungen an Grenzflächen“ die digitale Vernetzung der Forscher und Mediziner mit Probanden und Patienten umgesetzt. Eine App soll in den kommenden Monaten am UKSH zum Einsatz kommen. Installiert auf dem alltäglichen Smartphone, erfasst sie detaillierte Langzeitdaten der Probanden, die neue Forschungsansätze ermöglichen.

„Die Daten können genutzt werden, um die Therapie chronischer Erkrankungen zu optimieren und vor allem den Erfolg einer Behandlung zu messen. Nur wenn der Patient selber auch sagt, dass er sich nach einer Therapie gesund fühlt und sich auch so verhält, können wir als Ärzte von einem Erfolg sprechen“, sagt Prof. Dr. Stefan Schreiber, Leiter des Exzellenzzentrums für Entzündungsmedizin des UKSH.

Fitnesstracker (auch „Wearables“ genannt), digitale WLAN-Waagen und medizinische Messgeräte für zu Hause verbreiten sich immer weiter. Nie haben Menschen mehr Informationen über sich gesammelt – es gibt regelrechte Communities von Personen, die sich selbst vermessen („Quantified-Self“-Bewegung). Diese Daten möchten die Wissenschaftler für die Forschung und Behandlung nutzbar machen und in ersten Studien am UKSH systematisch auswerten und interpretieren.

Ziel ist die individualisierte Medizin, also maßgeschneiderte Therapiekonzepte für chronische Entzündungserkrankungen. „Für diesen Behandlungsansatz brauchen behandelnde Ärztinnen und Ärzte ein sehr umfangreiches Bild ihrer Patientinnen und Patienten“, beschreibt Prof. Dr. Andre Franke vom IKMB und Leiter der eHealth-Studie. „Dazu reichen die Daten, die während der Klinikaufenthalte gewonnen werden, häufig nicht aus“, so Franke. Der Datenschutz hatte von Anfang an die höchste Priorität bei der Entwicklung des Systems. Nicht nur, um den gesetzlichen Bestimmungen Folge zu leisten. „Es war uns von Anfang an klar, dass wir mit sehr sensiblen Daten arbeiten und wie andere Daten am UKSH einem besonderen Schutz hinter Firewalls bedürfen“, erläutert Florian Schrinner, der die informatische Umsetzung des Systems koordiniert.

In einer ersten Pilotstudie, zusammen mit der Ambulanz für Chronisch-Entzündliche Darmerkrankungen (CED) des Exzellenzzentrums Entzündungsmedizin, sollen bis zu hundert CED-Patienten rekrutiert werden, die eine Therapie mit dem aktuell gängigsten Medikament starten, auf welches aber viele Patienten nicht ansprechen beziehungsweise nach einiger Zeit ihr Ansprechen verlieren. Die Probanden sollen über mehrere Monate hinweg ihr Wohlbefinden und andere Parameter über die App eingeben. Erfasst werden Lebensqualität und körperliche Aktivität über einen Fitnesstracker. Die Forscher versprechen sich dadurch frühzeitige Erkenntnisse über Verbesserungen oder Verschlechterungen und die Behandlung für den Patienten entsprechend schneller anzupassen – also zu „personalisieren“.

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