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Gesundheit

ZÄK Hamburg fordert Zuckersteuer

Die Einführung einer Zuckersteuer hat der Präsident der Hamburger Zahnärztekammer, Konstantin von Laffert, gefordert. Anlässlich eines Empfangs der Kammer zum Umzug in die AlsterCity sprach sich von Laffert am 7. April 2017 vor Gästen aus Politik und Gesundheitswirtschaft für die Einführung einer solchen Abgabe aus.
Zucker

Eine Steuer auf Zucker oder zuckerhaltige Softdrinks gibt es bereits unter anderem in Frankreich, Mexiko, Finnland, Ungarn und der kalifornischen Stadt Berkeley.

„Erhöhter Zuckerkonsum ist eine Ursache für Diabetes-2, Fettleibigkeit und zahnmedizinische Erkrankungen wie Karies und Parodontitis. Es kann nicht sein, dass wir tatenlos zusehen, wie unter anderem Zuckerkonsum dazu geführt hat, dass schon ein Viertel der bundesdeutschen Bevölkerung einen Body Mass Index von über 30 hat und damit als stark übergewichtig und somit adipositaskrank gilt. Mit einer Zuckersteuer könnte der Zuckerkonsum gesenkt werden, was zu Einsparungen im Gesundheitswesen führen würde. Es ist klar, dass in Wahljahren die Politik die Einführung einer neuen Steuer reflexartig ablehnt, mittelfristig ist die Steuer aber ein wichtiger Baustein eines stabilen Gesundheitssystems und der Gesundheitsvorsorge in unserem Lande“.

ZÄK Hamburg

Konstantin von Laffert, Präsident der Zahnärztekammer Hamburg, Cornelia Prüfer-Storcks, Senatorin für Gesundheit und Verbraucherschutz in Hamburg und Dr. Helmut Pfeffer, Vorsitzender des Versorgungswerks. 

In anderen Ländern selbstverständlich

Eine Steuer auf Zucker oder zuckerhaltige Softdrinks gibt es bereits unter anderem in Frankreich, Mexiko, Finnland, Ungarn und der kalifornischen Stadt Berkeley. Großbritannien und Südafrika wollen ab 2018 ebenfalls gezuckerte Getränke mit einer Abgabe belasten, berichtet die Pressestelle der Hamburger Zahnärzte dazu. Die Wirksamkeit einer Steuer auf den Konsum zeigt unter anderem der Rückgang des Nikotinabusus nach Erhöhung der Tabaksteuer, das fast völlige Verschwinden der „Alkopops“ nach einer Sondersteuer auf selbige und der Erfolg der Zuckersteuer in den USA und Mexiko (siehe Faktenkasten).

Auswirkungen der Zuckersteuer in Berkeley

Laut einer im „National Journal of Public Health“ erschienenen Studie ist vier Monate nachdem die Zuckersteuer eingeführt wurde der Konsum von zuckerhaltigen Softdrinks bei Niedrigverdienern in Berkeley um 21 Prozent zurückgegangen. Gleichzeitig ist der Wasserkonsum gestiegen, so die Studienautoren. In den Nachbarstädten San Francisco und Oakland ist der Konsum von stark zuckerhaltigen Erfrischungsgetränken hingegen um 4 Prozent gestiegen.

Die Ergebnisse in Berkeley gehen in dieselbe Richtung wie jene aus Mexiko. Dort wurde die Zuckersteuer 2014 gleich landesweit eingeführt, man verzeichnet einen Rückgang um 17 Prozent bei Konsumenten mit einem niedrigen Einkommen. Die geringe Bereitschaft, für Softdrinks in die Tasche zu greifen, habe positive Effekte auf die Gesundheit der Bürger und entlaste in weiterer Folge den öffentlichen Gesundheitssektor. Philadelphia hat mit einer Zuckersteuer bereits nachgezogen, San Francisco und Oakland planen eine Steuer im Herbst.

Bürgerversicherung = Einheitskasse

Weiterhin kritisierte von Laffert die Diskussion um die Einführung einer sogenannten Bürgerversicherung: „Eine Operation am offenen Herzen des deutschen Gesundheitswesens wie die Einführung einer solchen Einheitskasse würde eines der besten Gesundheitssysteme der Welt schwer beschädigen. Von der Innovationskraft, die das jetzige duale System mit sich bringt, profitieren alle Patientinnen und Patienten – egal, ob gesetzlich oder privat versichert.“

Der Zahnmediziner aus Niendorf verwies dabei darauf, dass es in kaum einem Land der Welt geringere Wartezeiten auf Behandlungen und Operationen gebe als in Deutschland. Darüber hinaus dokumentierten die Bürger dieses Landes mit dem Abschluss von Tausenden von Rückholversicherungen aus dem Urlaub im Krankheitsfall, dass sie sich im Ernstfall eine Behandlung in Deutschland wünschten und dem hiesigen Gesundheitssystem vertrauten.