Praxis

"Zahnpraxis der Zukunft"

Selbstständigkeit light

Der virtuelle Einblick in die Zahnpraxis der Zukunft in einer 3-D-Ansicht
Kamleitner Canales Architekten

Der virtuelle Einblick in die Zahnpraxis der Zukunft in einer 3-D-Ansicht

Im Dezember 2018 war es soweit: Die Deutsche Apotheker- und Ärztebank (ApoBank) und die ZA – Zahnärztliche Abrechnungsgenos­senschaft (ZA eG) haben gemeinsam die „Zahnpraxis der Zukunft GmbH“ (ZPdZ) gegründet, um ein neues Praxismodell zu entwickeln, das die aktuellen Anforderungen der zahnmedizinischen Berufsausübung berücksichtigt und der demografischen Entwicklung gerecht wird.

Die Ist-Analyse zeigt drei dominante Entwicklungsstränge. Die jungen Zahnärzte arbeiten in der Anfangsphase gerne angestellt, sind weniger bereit, sich jung direkt zu verschulden, und benötigen Arbeitszeitmodelle, die die Bedürfnisse von Familie und Beruf und die der Patienten nach flexibleren Öffnungszeiten berücksichtigen. Für die Praxisabgebergeneration gestaltet sich zugleich die Nachfolgesuche schwieriger, und ihre Praxen sind entsprechend oft auch nicht mehr auf dem Stand der Digitalisierung von heute. Zugleich treten vermehrt Investoren in den Markt, die diese Entwicklungen scheinbar leichter berücksichtigen können.

Die ApoBank und die ZA kommen hier also nicht zufällig zusammen, haben doch beide ein starkes Interesse an inhabergeführten Praxisstrukturen. Existenzgründungen gehören zum Kerngeschäft der ApoBank. Die ZA bringt zudem umfassende Serviceerfahrung in der zahnmedizinischen Berufsausübung mit ein. Hier stehen Investoren-ZMVZ in direkter Konkurrenz, da sie mit eigenen Finanzmitteln kommen und Servicedienstleistungen, wie etwa Abrechnung, eigenständig anbieten.

Nun haben ApoBank und ZA ein neues Praxismodell entwickelt, das jungen Zahnärzten den Einstieg in die Selbstständigkeit erleichtern soll. Ihnen bietet die ZPdZ eine schlüsselfertige Zahnarztpraxis zur Miete, in der sie die Selbstständigkeit ohne hohe finanzielle Verbindlichkeiten ausprobieren können. Sie werden durch aktives Coaching unterstützt und können verschiedene Serviceleistungen hinzubuchen. Praxisinhabern, die kurz vor dem Ruhestand stehen, kann die ZPdZ die Praxisabgabe erleichtern. Die Gesellschaft übernimmt die Praxisräume, koordiniert Modernisierung und Umbau und hilft, einen geeigneten Nachfolger zu finden.

2019 wird dann auch schon konkret zur Tat geschritten. Die ApoBank und ZA eröffnen in Düsseldorf eine Flagshop-Praxis, die quasi als Showroom dient. Hier arbeiten erfahrene Zahnärzte in Mentorschaft als Berufsausübungsgemeinschaft gemeinsam mit Jungzahnärzten. Interessenten können hier hospitieren und eigene Erfahrungen sammeln. Zugleich dient die Flagstore-Praxis als „lebender Bestellkatalog“. Hier ist das komplette Serviceangebot erfahrbar, und Einsteigerzahnärzte können sich die Module so zusammenstellen, wie sie sie in ihrer „Mietpraxis“ realisiert sehen wollen – das reicht von der Ausstattung über die Serviceleistungen bis hin zur Digitalisierung.

Die Vorzeigepraxis wird sechs Stühle umfassen, mit einem gut zwei Vollzeitbehandlervolumen, dazu Dentalhygienikerinnen für die PZR. Der wachsende „Markt“ im Bereich PZR ist hier also inte­griert. Nomen est omen – heißt die neue Gesellschaft doch „Zahnpraxis der Zukunft“. Das kleine Wört­chen „Arzt“ ist hier ausgespart.

Die ZPdZ zielt darauf, die freie Berufsausübung zu fördern. Junge Zahnärzte erhalten in der Regel als BAG die Praxis ihrer Wahl schlüsselfertig ausgestattet zur Miete. Coaching und Serviceleistungen sind begleitende Maßnahmen. Die jungen Zahnärzte können sich auf die freie Ausübung ihres Berufs konzentrieren und sammeln – so der Plan – positive Erfahrungen und entschließen sich dann ab einem bestimmten Zeitpunkt, die Praxis als selbstständige Unternehmer ganz zu übernehmen. Praxisabgeber werden gezielt bei der Übergabe begleitet, Modernisierung und Wünsche der Praxisnachfolger koordiniert.


Die spätere Finanzierung des Praxiskaufs und die Servicedienstleistungen sind hier das Geschäftsmodell. Miete/Pacht werden nach Aussagen der ZPdZ eins zu eins weitergegeben, die Beratung sei kostengünstig und die Honorare der Zahnärzte völlig unberührt. Förderprogramme für die Weiterbildung von Praxisteams würden genutzt, gerade um den Übergang zur Digitalisierung zu erleichtern.
Geschickt umschifft das Angebot der ZPdZ die Untiefen eines ZMVZ. Die neuen Praxen werden von der jeweiligen BAG betrieben. Praxisräu­me und Ausstattung werden gemie­tet. Und den Segen der Standespolitik habe das innovative Projekt auch, so die ZPdZ. Mitte 2019 geht die Flagstore-Praxis in Betrieb. Die dzw wird darüber berichten.

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