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Studie zur Wirkung von Facebook & Co.

Machen "soziale Medien" asozial?

Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM): Soziale Netzwerke fungieren als Quelle emotionaler Unterstützung und bringen Informationsvorteile.
Aleksandr Makarenko/Shutterstock.com

Leibniz-Institut für Wissensmedien (IWM): Soziale Netzwerke fungieren als Quelle emotionaler Unterstützung und bringen Informationsvorteile.

Die Nutzung sozialer Netzwerke im Internet gehört mittlerweile für viele von uns zur täglichen Routine. Negative Folgen wie Stress, Neid und reduziertes Wohlbefinden werden kontrovers diskutiert, gerade wenn positive Statusmeldungen anderer täglich permanent abgerufen werden.

Forscher des Leibniz-Instituts für Wissensmedien (IWM) haben jetzt im Rahmen einer groß angelegten Studie herausgefunden: Stress ist von äußeren Faktoren und nicht von der Facebook-Nutzung beeinflusst. Vielmehr bietet die Plattform Möglichkeiten emotionaler Unterstützung wie die Nutzung von Linked­In berufliche Informationsvorteile.

Die Effekte der Nutzung verschiedener sozialer Medien wurden unter niederländischen Internetanwendern über einen Zeitraum von 2013 bis 2017 untersucht. Um ein umfassendes und differenziertes Bild bekommen, haben die Forscher unter der Leitung von Prof. Dr. Sonja Utz zwischen eher privat genutzten Plattformen wie Facebook und eher beruflich genutzten Plattformen wie LinkedIn unterschieden. Die Studie wurde im Rahmen des EU-geförderten Projekts ReDefTie („Redefining tie strength“ = „Bindungsstärke neu definieren“) durchgeführt.

Soziale Netzwerke als Quelle emotionaler Unterstützung

Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass soziale Netzwerke und die oftmals skeptisch angesehenen „virtuellen Freunde“ konkreten Nutzen bringen können. Somit sind soziale Beziehungen mehr als eine Illusion: Die Facebook-Nutzer (etwa 73 Prozent der Befragten) berichteten über mehr erhaltene Online-Unterstützung in sozialen Netzwerken als die Nichtnutzer. Und je mehr sie danach fragten, desto mehr Unterstützung erhielten sie.

Über einen längeren Zeitpunkt verstärkte sich dieser Effekt sogar: Personen, die einmal soziale Unterstützung im Internet erhalten hatten, fragten ein halbes Jahr später auch häufiger ihr Online-Netzwerk um Rat. Zudem führte die Facebook-Nutzung langfristig nicht zu mehr Stress oder geringerer Lebenszufriedenheit. Diese werden mehr durch Offline-Ereignisse beeinflusst als durch die Nutzung sozialer Medien.

Informationsvorteile durch Nutzung von Business-Netzwerken

Die Nutzer von Business-Netzwerken berichteten hingegen über höhere Informationsvorteile als die Nichtnutzer. Aktive Nutzung und gezielter Netzwerkaufbau spielen dabei eine entscheidende Rolle. Die im Kontext des Projekts durchgeführten Experimente weisen darauf hin, dass bereits das regelmäßige Überfliegen von Updates dazu beiträgt, sogenannte „ambient awareness“, also Wissen über die Netzwerkmitglieder und deren Expertise, zu entwickeln. Diese Ergebnisse haben Implikationen für den Einsatz sozialer Medien im organisationalen Wissensmanagement. Sie zeigen, dass die auf beruflichen Plattformen verbrachte Zeit keine Verschwendung ist. Vielmehr hilft sie dabei, richtige Ansprechpartner zu finden und aktuelle Entwicklungen im Blick zu behalten.

Die Forschung zeigt: Soziale Medien helfen uns, mit vielen Menschen in Verbindung zu bleiben – ganz egal, ob es enge Freunde sind und damit starke Bindungen, Bekannte und damit schwache Bindungen oder Menschen, die wir kaum kennen. Starke Bindungen geben uns emotionale Unterstützung, während schwache Bindungen uns neue Informationen liefern.