ZahnMedizin kompakt

Schnelle und hochwertige Provisorien

Temporäre Eierschalen-Kronen

Eierschalenprovisorien für die mittleren Oberkieferfrontzähne werden auf der Basis einer Primärabformung im Labor hergestellt.
Dr. Martin Gollner, ZTM Stefan Picha/Oral Design

Eierschalenprovisorien für die mittleren Oberkieferfrontzähne werden auf der Basis einer Primärabformung im Labor hergestellt.

Für eilige Leser

  • Temporäre Versorgungen müssen grundsätzlich dieselben Anforderungen erfüllen wie definitive [1].
  • Eierschalenprovisorien werden ohne Stumpfabformung im Labor hergestellt, dünn ausgeschliffen und mit dem Befestigungsmaterial „unterfüttert“.
  • Sie sind damit eine relativ einfache und zugleich potenziell hochwertige Zwischenlösung.
  • Die Weichgewebsreifung sollte vor der definitiven Krone oder Brücke mindestens vier bis sechs Wochen betragen.
  • ZTM Stefan Picha und Dr. Martin Gollner erläutern im Praxis-Labor-Tipp, worauf zu achten ist.
  • Zusätzliche Details enthält das Buch „Die provisorische Versorgung“ von Horst und Jürgen Dieterich [2].
Eierschalenprovisorien für die mittleren Oberkieferfrontzähne werden auf der Basis einer Primärabformung im Labor hergestellt.
Dr. Martin Gollner, ZTM Stefan Picha/Oral Design

Eierschalenprovisorien für die mittleren Oberkieferfrontzähne werden auf der Basis einer Primärabformung im Labor hergestellt.

Temporärer Zahnersatz muss vor allem gut halten und gut aussehen. Da er zum Austesten der zukünftigen Funktion, Phonetik und Ästhetik dient, wird er auch als therapeutisch oder diagnostisch bezeichnet [1]. Der Zahntechnikermeister Stefan Picha (Oral Design, Fürth) und der Oralchirurg Dr. Martin Gollner (Bayreuth) erläuterten auf der DGI-Jahrestagung 2017 in Düsseldorf, worauf zum Beispiel beim Eierschalenprovisorium zu achten ist.

Vorgehen Schritt für Schritt

Basis für Eierschalenprovisorien ist eine Primärabformung über unpräparierte Zähne, vorhandene Restaurationen oder ein Wax-up. Damit entfällt wertvolle Stuhlzeit, die sonst bei Langzeitprovisorien für die intraorale Stumpfabformung erforderlich ist. Der Ersatz wird unter optimalen Bedingungen (Härte, Oberflächengüte) im Labor hergestellt und erfüllt damit Anforderungen an eine temporäre Langzeitversorgung mit allen diagnostischen Aufgaben [1].

Im Mund werden die Kronen mit Komposit unterfüttert, ausgearbeitet und temporär eingegliedert. Sie erfüllen die funktionellen und ästhetischen Anforderungen an einen diagnostisch-therapeutischen Zahnersatz.
Dr. Martin Gollner, ZTM Stefan Picha/Oral Design

Im Mund werden die Kronen mit Komposit unterfüttert, ausgearbeitet und temporär eingegliedert. Sie erfüllen die funktionellen und ästhetischen Anforderungen an einen diagnostisch-therapeutischen Zahnersatz.

Damit beim Eingliedern genügend Platz für die Unterfütterung verbleibt, werden im Labor überdimensionierte Stümpfe präpariert. Darüber werden mithilfe der Primärabformung oder eines Silikonschlüssels die Kronen oder Brücken aus Komposit hergestellt und vergütet. Auch eine separate Dentin- und Schmelzschichtung ist möglich [2]. Durch zusätzliches Hohlschleifen (Abb. 1) werden nach Erfahrung des Referententeams kleine Inkongruenzen ausgeglichen, und es wird eine perfekte Passung für die Unterfütterung erreicht.

Im Mund werden die Kronen mit Komposit unterfüttert, ausgearbeitet und temporär eingegliedert. Sie erfüllen die funktionellen und ästhetischen Anforderungen an einen diagnostisch-therapeutischen Zahnersatz.
Dr. Martin Gollner, ZTM Stefan Picha/Oral Design

Im Mund werden die Kronen mit Komposit unterfüttert, ausgearbeitet und temporär eingegliedert. Sie erfüllen die funktionellen und ästhetischen Anforderungen an einen diagnostisch-therapeutischen Zahnersatz.

Im Mund werden die Kronen dann mit selbsthärtendem Kunststoff unterfüttert (zum Beispiel Super T, American Dental Systems) (Abb. 2) und mit temporärem Zement eingesetzt (Abb. 3). Die Unterfütterung sollte sehr sorgfältig erfolgen, damit die Gingiva gut abheilen und gegebenenfalls ausgeformt werden kann. Hierfür sind im Sinne eines therapeutischen Langzeitzahnersatzes weitere Unterfütterungen möglich (2). Im Fallbeispiel konnte Dr. Gollner die definitiven Lithiumdisilikatkronen (IPS e.max CAD, Ivoclar Vivadent) bereits nach sechs Wochen mit Glasionomermaterial definitiv zementieren (Ketac Cem, 3M Espe) (Abb. 4). Bei größeren Restaurationen kann auch eine längere Wartezeit notwendig sein.

Zeit lassen bei der Sprechprobe

Einen weiteren Tipp gab es vom fränkischen Team: Die ästhetische Einprobe kann trotz zu geringem Sprechabstand zunächst gut funktionieren. Nach 10 Minuten wird der Patient aber müde und bekommt phonetische Probleme. Picha: „Lassen Sie sich also Zeit. Und beziehen Sie Ihren erfahrenen Zahntechniker bei der Ästhetikeinprobe – und auch im Vorfeld bei der Patientenanalyse – mit ein.“

Dr. Martin Gollner, ZTM Stefan Picha/Oral Design

Die definitiven Kronen aus Lithiumdisilikat werden ca. sechs Wochen später in ein gesundes hart- und weichgewebliches Umfeld eingegliedert.

Literatur

[1] DGZPW. Wissenschaftliche Stellungnahme 2009.
[2] Dieterich H, Dieterich J. Die provisorische Versorgung: teamwork media, 2002.

Dr. Jan H. Koch

Dr. med. dent. Jan Hermann Koch ist seit dem Jahr 2000 als freier Fachjournalist und Berater tätig. Arbeitsschwerpunkte sind Fachartikel, Pressetexte und Medienkonzepte für Dentalindustrie und Verbände. Seit 2013 schreibt Dr. Koch als fester freier Mitarbeiter für die DZW und Fachmagazine, unter anderem die Kolumne ZahnMedizin kompakt (Nachfolge Dr. Karlheinz Kimmel).

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