Wirtschaft

Straumann-Bilanz

Umsatz sinkt um 22 Prozent

Auch die Straumann Gruppe ist dramatisch vonder Corona-Krise betroffen wie ihre Halbjahresbilanz 2020 belegt.
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Auch die Straumann Gruppe ist dramatisch vonder Corona-Krise betroffen wie ihre Halbjahresbilanz 2020 belegt.

Die Straumann Gruppe legte ihre Halbjahresbilanz vor. Das Unternehmen erzielte demnach in den ersten sechs Monaten des Jahres 2020 einen Umsatz von 605 Millionen CHF, was etwa 80 Prozent des Vorjahresergebnisses betrug. Da Zahnarztpraxen in vielen Teilen der Welt schließen mussten, verzeichnete die Gruppe von Mitte März bis April einen drastischen Geschäftsrückgang. Im Zuge der Lockerung der Lockdown-Massnahmen konnten die Praxen wieder öffnen, sodass die Gruppe ab Mai einen Umsatzanstieg verbuchte, der sich im Juni fortsetzte. Regional betrachtet wurde APAC am wenigsten von der Pandemie beeinträchtigt und führte die Trendwende an, schrittweise gefolgt von den meisten europäischen Ländern und Teilen Nordamerikas. Das Geschäft in Lateinamerika war am stärksten von der Pandemie betroffen und hat weiterhin mit Schwierigkeiten zu kämpfen. Negative Währungseffekte schmälerten den Umsatz um mehr als 5 Prozentpunkte, da sich der Schweizer Franken gegenüber allen wichtigen Währungen der Gruppe verteuerte.

Starke Umsatzeinbußen im Lockdown

Die Gruppe reagierte schnell auf die Pandemie, um Sicherheit und Geschäftskontinuität zu gewährleisten. Zudem unternahm sie umgehend Schritte, um die finanziellen Auswirkungen kurz- bis mittelfristig zu mindern. Dazu zählten sofortige Betriebskostensenkungen, Kurzarbeit, weltweite Umstrukturierungen und die Verschiebung von Investitionen. Diese Maßnahmen halfen, den starken Druck auf die Rentabilität zu mildern. Während sich der Kern-Bruttogewinn um 173 Millionen CHF auf 430 Millionen CHF verringerte, sank der Kern-Reingewinn um 96 Millionen CHF auf 74 Millionen CHF. Die entsprechenden Margen gingen auf 71 Prozent und 12 Prozent zurück. Einschließlich Abschreibung aus Kaufpreisallokation von 5 Millionen CHF, Wertberichtigungen von 150 Millionen CHF und Restrukturierungskosten von 13 Millionen CHF belief sich das ausgewiesene Periodenergebnis auf -94 Millionen CHF und der Gewinn pro Aktie auf -5.89 CHF (Kern: 4.49 CHF).

Rezession nicht ausgeschlossen

CEO Guillaume Daniellot kommentierte: „Während des Lockdowns verzeichneten wir Umsatzeinbußen von fast 70 Prozent, bevor im Mai mit der Wiederöffnung der Zahnarztpraxen eine Erholung einsetzte. Unsere Bemühungen zur Unterstützung der Kunden durch Online-Fortbildung und bei der raschen Wiederaufnahme ihrer Geschäftstätigkeit waren erfolgreich. Unsere sofortigen Kostensenkungsmaßnahmen trugen dazu bei, die Folgen der Umsatzausfälle abzumildern. Zudem haben wir eine Restrukturierung durchgeführt, um uns auf eine Wirtschaftsrezession vorzubereiten. Während die Wertberichtigungen von gewissen Akquisitionen zu einem ausgewiesenen Reinverlust führten, generieren wir weiterhin Cashflow aus unserer Geschäftstätigkeit und unser Kerngeschäft ist noch immer rentabel. Zudem konnten wir wichtige strategische Wachstumschancen nutzen, wie etwa die Akquisition von DrSmile. Nichts davon wäre ohne das Verständnis, die Flexibilität, das Engagement und die Unterstützung unserer Mitarbeitenden während der äußerst schwierigen Lockdown- und Restrukturierungsphase möglich gewesen. Ich bin ihnen zutiefst dankbar dafür. Die allgemeine Unsicherheit aufgrund der COVID-19-Krise sowie die Möglichkeit weiterer Ausbrüche und einer Wirtschaftsrezession verunmöglichen es uns, eine Prognose für den Umsatz und die Rentabilität im Gesamtjahr abzugeben.“

Stabile Situation in Deutschland

Ausmaß und Dauer der Auswirkungen von COVID-19 variierten von Land zu Land. Gegen Ende des zweiten Quartals fanden alle Tochtergesellschaften in der Region auf den Wachstumspfad zurück, ausgenommen jene in Ungarn, auf der iberischen Halbinsel, in Russland, Schweden und Großbritannien, so Straumann. Die neue Tochtergesellschaft in Rumänien verzeichnete einen guten Start, während jene auf dem Balkan, in Südafrika und in der Türkei massive Umsatzeinbußen hinnehmen mussten. Deutschland als größtes Land der Region profitierte ebenfalls von einem starken Aufschwung im Juni. Die Verbesserungen waren im Allgemeinen dem Nachholbedarf wiedereröffneter Praxen zuzuschreiben. Viele Praxen blieben während der Ferienzeit geöffnet, um Rückstände abzuarbeiten. Auch Distributoren sorgten für positive Signale, indem sie damit begannen, nach dem Lagerabbau während des zweimonatigen teilweisen bis vollständigen Lockdowns wieder Bestellungen zu tätigen.
Die Region war weiterhin der größte Umsatzträger der Gruppe, mit einem Umsatz im ersten Halbjahr von 268 Millionen CHF oder 80 Prozent des Vorjahresergebnisses. Nach einem guten Jahresbeginn sank der Umsatz gegen Ende des ersten Quartals deutlich. Erst gegen Ende des zweiten Quartals, in welchem der organische Umsatz um 38 Prozent zurückging, sei der erneute Aufschwung gelungen.

Bruttogewinn deutlich reduziert

Als Reaktion auf die globale Pandemie und zur Vorbereitung auf die neue wirtschaftliche Realität, ergriff die Gruppe rasch Maßnahmen, um Kapazitäten anzupassen, den Betriebsaufwand zu reduzieren und Investitionen zu verschieben. Dadurch konnten die Auswirkungen des deutlichen Umsatzrückgangs auf die Profitabilität abgemildert werden. Dennoch lag der Kern-Bruttogewinn für das erste Halbjahr 173 Millionen CHF unter dem des Vorjahres.
Kostensenkungen in anderen Bereichen trugen ebenfalls dazu bei, die Auswirkungen auf den Gewinn abzufedern. Kern-Vertriebsaufwendungen, zu denen die Gehälter der Verkaufsteams, Provisionen und Logistikkosten gehören, sanken um 19 Millionen CHF auf 141 Millionen CHF. Die Kern-Verwaltungskosten, welche F&E, Marketingkosten und Gemeinkosten beinhalten, wurden um 28 Millionen CHF auf 203 Millionen CHF gesenkt. 

Ausblick auf 2020 kaum möglich

In einigen Ländern und Regionen stünden die Zeichen derzeit auf Lockerung und die Dentalmärkte weisen Erholungstendenzen auf. Die Praxen haben sich gut an die neuen Sicherheitsstandards angepasst, wenn auch mit geringerer Effizienz, beurteilt das Unternehmen die aktuelle Situation. Es ließe sich nur schwer sagen, inwieweit die derzeitige Besserung auf einen Nachfragestau zurückzuführen sei und ob sie auch im Hinblick auf mögliche weitere COVID-19-Infektionswellen anhielte. Aufgrund der derzeitigen pandemiebedingten Unsicherheiten gibt die Gruppe keine Prognose für Umsatz und Gewinn für das Gesamtjahr.
Die Geschäftsgrundlagen der Gruppe seien intakt. Diese sei zuversichtlich, dass sie – sobald Wirtschaft und Konsumentenvertrauen wieder zur Normalität zurückkehren – als eine noch stärkere Marke und bevorzugter Partner der Kunden aus der Krise hervorgehen werde, so die Straumann Gruppe.

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