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Unstatistik des Monats

Tod durch Umweltverschmutzung

Tod durch Umweltverschmutzung
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Unstatistik des Monats Dezember: "Jeder vierte Mensch stirbt durch Umweltverschmutzung".

Mit der „Unstatistik des Monats“ hinterfragen der Berliner Psychologe Gerd Gigerenzer, der Dortmunder Statistiker Walter Krämer und RWI-Vizepräsident Thomas K. Bauer jeden Monat sowohl publizierte Zahlen als auch deren Interpretationen. Zum Jahresende nahmen die drei Forscher eine Meldung der Deutschen Welle vom 4. Dezember unter die Lupe: „Jeder vierte Mensch stirbt durch Umweltverschmutzung“.

Was sind Umwelttote?

Diese Statistik kommt, so die Pressemeldung, durch eine sehr weite Definition von „Tod durch Umweltverschmutzung“ zustande. Laut Weltgesundheitsorganisation, auf die sich die Deutsche Welle beruft, zählen zu den insgesamt 13 Millionen Umwelttoten jährlich auch mehrere Millionen Selbstmörder, Opfer von Gewaltverbrechen und Verkehrsunfällen oder Menschen, die im Haushalt von der Leiter fallen.

Risiken konkurrieren

Auch die von der Deutschen Welle verwendete Interpretation als Maß des Risikos ist statistisch nicht haltbar. Denn jeder Mensch stirbt irgendwann an irgendwas. Je besser die medizinische Versorgung und die Umweltqualität, desto mehr Menschen sterben an Krebs. Somit ist die Zahl der an einer bestimmten Ursache verstorbenen Menschen kein seriöser Indikator für die dadurch drohende Gefahr. Fachleute benutzen seit Langem andere Maße, etwa die verlorenen Lebensjahre: Wie viele Jahre etwa würden wir länger leben, wenn es keinen Feinstaub, keine Kohlekraftwerke oder keine chemischen Düngemittel gäbe? In welcher Relation stehen hierzu die verlorenen Lebensjahre durch Berufsstress oder den Straßenverkehr? Die Antwort auf solche Fragen liefert die statistische Theorie der konkurrierenden Risiken. Diese zieht die unangenehme Wahrheit in Betracht, dass bei Wegfall eines Risikos die Wahrscheinlichkeit für alle anderen automatisch steigt. So wäre etwa bei einer totalen Elimination der Todesursache Krebs mit einem Anstieg der Lebenserwartung von weniger als drei Jahren zu rechnen. Gleichzeitig würde auch die Zahl der Alzheimer-Patienten dramatisch steigen.

Lebenserwartung steigt

Für Menschen in entwickelten Industrienationen sind die größten bekannten Lebenszeitverkürzer immer noch das Rauchen, Bewegungsmangel, Übergewicht und übermäßiger Alkoholgenuss. Den dadurch verlorenen Lebensjahren wären dann, zur Einschätzung des Risikos, die Verluste durch Umweltschäden gegenüberzustellen. Diese scheinen seit Jahrzehnten abzunehmen; in Deutschland ist die Lebenserwartung seit 1990 um fünf Jahre angestiegen. Das Fazit der Wissenschaftler: Das alleinige Melden von Todesfällen wird der wahren Problematik nicht gerecht.