Wirtschaft

In welche Richtung steuert die Health AG?

Volle Kraft voraus

Von links - Uwe Schäfer und Stefan Mühr (Health AG) im Interview mit dzw-Redakteurin Evelyn Stolberg
dzw

Schiff ahoi: (v.l.) Health-AG-Interview auf dem Rhein mit Uwe Schäfer (Vorstand, CFO), Stefan Mühr (Management, COO) und dzw-Redakteurin Evelyn Stolberg.

Sobald die BaFin grünes Licht gibt, wird die Health AG (EOS Health Honorarmanagement AG) bald auch juristisch der BAWAG Group, einer börsennotierten österreichischen Bankengruppe, gehören. Für die Schwestergesellschaft EOS Health IT-Concept GmbH (ITC) mit ihrem innovativen Softwareangebot wird noch nach einem neuen Eigentümer gesucht. Steuert dieser Bereich etwa stürmischen Zeiten entgegen? Antworten lieferten Stefan Mühr, COO, und Uwe Schäfer, CFO, auf der IDS beim Pressegespräch mit dzw-Redakteurin Evelyn Stolberg. Location des Interviews: Ein Hotelschiff in Köln, auf dem die Mitarbeiter-Crew der Health AG während der IDS untergebracht war.

Zahlreiche Bewerber haben sich im strukturierten Auktionsverfahren um die Gunst der Health AG bemüht. Neuer Gesellschafter wurde schließlich die BAWAG Group. Warum?

Uwe Schäfer: Es war ein langer Prozess. Warum die Wahl auf die Health AG fiel, müssten wir natürlich letztlich die BAWAG fragen. Wir glauben aber, dass die BAWAG hervorragend zu uns passt. Es ist ein agiles, modernes Finanzinstitut mit einer langen Tradition. Mit der BAWAG haben wir einen sehr guten Gesellschafter für das Factoring-Geschäft der Health AG gefunden.

Wird es personelle Veränderungen geben, oder stehen die Health-AG-Standorte zur Debatte?

Schäfer: Wir haben zwei Standorte, in Hamburg und Berlin. Unser großer Standort in Hamburg ist für die BAWAG extrem wichtig. Sie hat in Deutschland noch einen Standort in Stuttgart mit der Südwestbank, da sind 300 Mitarbeiter, und einmal in Hamburg mit uns, da sind 200 Mitarbeiter. Eine Bausparkasse, die sie dort erworben haben, trägt noch mal dazu bei, dass der Standort Hamburg eine hohe Wichtigkeit hat. Berlin ist in der Tat ein Thema, über das wir gesprochen haben, aber Berlin finden alle sexy. Wir haben einen modernen Standort und ein modernes Fortbildungszentrum dort. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass wir andere BAWAG-Gesellschaften in Zukunft dort sehen werden. Wir haben den Platz, dort zu wachsen, deshalb sind wir zuversichtlich, dass wir unsere beiden Standorte so weiterbetreiben können. Aus personeller Sicht ist es zum jetzigen Zeitpunkt schwierig zu sagen, wie sich etwas verändern wird. Ich denke, Mitarbeiter von uns oder auch Managementkapazitäten werden die BAWAG in dem unterstützen, was sie in Deutschland vorhat, sie werden also vielleicht auf Gruppen­ebene arbeiten. Wie gesagt, es ist jetzt noch viel zu früh, dazu mehr zu sagen, weil der eigentliche Eigentümerübergang mit dem Closing stattfindet, und dafür steht noch die Genehmigung der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) aus.

Die BAWAG ist schwerpunktmäßig im Finanzsektor unterwegs. Wird sie sich auf den Factoring-Bereich der Health AG konzentrieren? Und welche neuen Finanzdienstleistungen sind geplant?

Schäfer: Ich glaube, darauf können alle gespannt sein. Natürlich wird die BAWAG diesen Schritt nach Deutschland im Bereich Factoring für sich als wesentliches Standbein sehen – was wir seit Jahren machen, ist erfolgreich. Und wir machen es nicht nur in Deutschland, sondern haben ja auch unsere Schwester in der Schweiz, mit der ZAK, die auch sehr erfolgreich Factoring macht und dort mit Abstand Marktführer ist. Die zweite Perspektive – wobei ich sagen möchte, dass ich kein Sprecher der BAWAG bin – ist folgende: Wir nehmen wahr, dass das Gesundheitswesen für die Gesamtbank mit allen Aktivitäten insgesamt ein spannender Bereich ist. Ich bin von Hause aus Banker und würde mich freuen, wenn wir mit unseren Kunden auch über ganz andere Sachen sprechen könnten als in der Vergangenheit.

Gibt es Expansionspläne, weil man ja jetzt im D-A-CH-Bereich zusammenrückt?

Schäfer: Ja, wir werden im D-A-CH-Bereich zusammenrücken. Ich glaube, wir werden einiges an interessanten Austauschgesprächen wie auch schon in der Vergangenheit mit unseren Schweizer Kollegen haben, ebenfalls in Richtung Österreich. Das ist auch für uns als Health AG ein interessanter Markt. Was die Expansion betrifft: Der erste Schritt für uns ist erst mal die Integration in die Gruppe und das Festlegen einer gemeinsamen Strategie. Dann kann man über weitere Expansionspläne sprechen. Insgesamt sehen wir die BAWAG aber als Gesellschafter, der Wert auf Wachstum legt.

Aufgang zum Hotelschiff Leonora in Köln am Rhein
dzw / Tanja Peschel

Alle Mann an Bord? Die Health AG hat dieses Jahr noch ganz viel vor. Wohin der innovative KI-Zweig für smarte Praxen steuern wird, muss sich aber noch zeigen. 

Für die Schwestergesellschaft EOS Health IT-Concept GmbH (ITC) und ihr Softwareangebot wird aktuell ein neuer Investor gesucht. Die Health AG strebt an, die bestehende Vertriebskooperation für das Softwareangebot mit dem neuen Gesellschafter zu verlängern. Hand aufs Herz: Wie geht es mit dem KI-Zweig für smarte Zahnarztpraxen weiter?

Stefan Mühr: Künstliche Intelligenz ist aus unserer Erfahrung heraus gar nicht mehr wegzudenken. Wir wollen KI auch weiter betrei­ben in unserer Smart Praxis, also im Factoringbereich auch nutzbar Datenströme auswerten. Das geht mit künstlicher Intelligenz einfach viel schneller, einfacher und effektiver.

Stehen Angebote wie Hēa Ratio zur Debatte?

Mühr: Das ist sicherlich dann die Entscheidung des neuen Eigentümers ... Ich würde mich ungern zum heutigen Zeitpunkt an Spekulationen beteiligen. Hēa Ratio ist ein KI-Modell, ein Prüfmodul, um die GOZ-Abrechnung sehr schnell und einfach zu prüfen. Es ist ein funktionierendes Modul, und ich kann mir nur vorstellen, dass ein neuer Eigentümer der ITC das Modul dann weiter betreibt. Jetzt wäre es aber ein Präjudiz, darüber zu sprechen, was der neue Eigentümer eigentlich damit vorhat. Sobald es feststeht, sind wir jedenfalls sehr daran interessiert, uns mit ihm sehr schnell an einen Tisch zu setzen und darüber zu verhandeln, wie wir mit Hēa Ratio dann umgehen können.

Inwieweit wird die EOS Health IT-Concept GmbH dann noch zur Health AG gehören? Oder ist geplant, dass man getrennte Wege geht?

Mühr: Wir werden getrennte Wege gehen. Aber wir haben die Hoffnung – definitiv – dass wir das Hēa-Ratio-Modul weiter vertreiben können... Dass wir gemeinsam in eine Kooperation gehen können mit dem dann feststehenden neuen Eigentümer.

Das Video zum Interview gibt es hier.

 

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