Hygiene

Mehr Sicherheit durch automatische Prozesse

Wasserhygiene an Behandlungseinheiten

Integrierte Desinfektionsanlage, der ein Entkeimungsmittel zugefügt wird.
Dentsply Sirona

Abb. 2: Bei der integrierten Desinfektionsanlage wird dem Betriebswasser ein Entkeimungsmittel kontinuierlich hinzugefügt, das sich leicht nachfüllen lässt.

Sauberes Wasser ist ebenso essenziell für die äußere wie für die innere Anwendung. Darin ähnelt eine Behandlungseinheit dem Menschen. Der Hygiene kommt hier daher eine besondere Bedeutung zu. Moderne Behandlungseinheiten erfüllen in diesem Bereich höchste Ansprüche, ohne dass man es ihnen ansieht. Die Anstrengungen des Praxisteams in puncto Hygiene werden durch intelligente und automatisierte Programme optimal unterstützt.

Die alte medizinische Weisheit „Primum non nocere“ – zu Deutsch: „Zuerst einmal nicht schaden“ – ist heute immer noch relevant und im Kontext von Infektionskontrolle in der Zahnarztpraxis sehr wichtig. Auch aus diesem Grund ist Hygiene überall in der Zahnarztpraxis präsent. Sie beginnt bei einer ordnungsgemäßen Händehygiene und einer gründlichen Desinfektion aller patientennahen Flächen, führt über eine sichere Aufbereitung von zahnärztlichen Instrumenten und Geräten und endet bei der Reinigung der Saugschläuche und Sanierung der wasserführenden Wege.

Integrierte Wassersysteme: Die Wassereinheit an der Behandlungseinheit war in der Vergangenheit durchaus keine Selbstverständlichkeit. Erstmals wurde das in den 50er-Jahren umgesetzt, als aus dem Behandlungsstuhl eine echte Behandlungseinheit mit integrierter Wassereinheit wurde. In den 80er-Jahren kam ein eingebauter Amalgamabscheider hinzu, der quecksilberhaltige Amalgamverbindungen aus dem Abwasser abschied und auch heute noch Teil einer modernen Behandlungseinheit ist. In einem nächsten Entwicklungsschritt wurde die Desinfektionsanlage für sämtliche Wasserwege aus der Stuhlbasis in die Wassereinheit verlagert und bei einigen Modellen mit einem freien Auslauf versehen. Im Ergebnis bedeutete das die Trennung des wasserführenden Systems von der öffentlichen Wasserversorgung. Mit der Frischwasserflasche, die vor allem außerhalb von Deutschland sehr populär ist, wurde ein langfristig autarkes Behandeln ermöglicht, ohne auf das örtliche Wasser mit Trinkwasserqualität angewiesen zu sein.

Um die in Deutschland vom Robert-Koch-Institut geforderte Trinkwasserqualität an der Behandlungseinheit jederzeit zu gewährleisten, verfügen moderne Behandlungseinheiten über eine integrierte Desinfektionsanlage. Dabei wird dem Betriebswasser je nach Hersteller ein Entkeimungsmittel kontinuierlich hinzugefügt [1] (zum Beispiel mit Wasserstoffperoxid oder Kupfer- und Silberionen versetzte Lösungen). Bei konsequenter Anwendung verhindert dies zuverlässig die Vermehrung von Keimen in den Wasserwegen der Behandlungseinheit. Die Desinfektionsanlage bietet darüber hinaus eine Funktion zur Sanierung der Wasserwege. Das Ziel ist es, mögliche Ablagerungen an den Wänden der Wasserwege zu bekämpfen und der Bildung eines Biofilms vorzubeugen. Dafür werden alle Wasserwege auf Knopfdruck mit unverdünntem Desinfektionsmittel auf Wasserstoffperoxidbasis geflutet. Für die regelmäßige Reinigung der Schläuche stehen weitere Programme an der Behandlungseinheit zur Verfügung.

Reinigung sensibler wasserführender Schläuche: Denn für die Wasserqualität und die hygienische Verfügbarkeit von Wasser an der Behandlungseinheit ist die Keimfreiheit der wasserführenden Schläuche und Ventile wichtig. Hintergrund ist, dass Wasser ein hocheffizientes Transport- und Ver­breitungsmedium für Keime bildet. Eine Kontamination der Mund­höhle aus der Absauganlage ist auf verschiedene Weise möglich [2]:


•     Rückfluss von abgesaugtem Kühl­wasser

•    Blut und Speichel gelangen in die Mundhöhle des Patienten, wenn eine Absaugkanüle durch angesaugtes Weichgewebe (zum Beispiel Wangen- oder Zungenschleimhaut) verschlossen wird und somit ein kontaminiertes Flüssigkeitsgemisch aus dem Absaugsystem in die Mundhöhle des Patienten gelangen kann

•    schwerkraftbedingter Rückfluss kontaminierter Flüssigkeiten aus dem Absaugsystem in die Mundhöhle des Patienten, wenn der Absaugschlauch oberhalb der Mundhöhle des Patienten geführt wird


Integrierte Sanieradapter an der Behandlungseinheit Sinius von Dentsply Sirona
Dentsply Sirona

Abb. 1: Integrierte Sanieradapter, hier an der Behandlungseinheit Sinius von Dentsply Sirona, in die sich die Kupplungen von Instrumenten- und Saugschläuchen stecken lassen, vereinfachen den Reinigungsprozess spürbar.

Aus diesem Grund ist deren Reinigung und Sanierung in regelmäßigen Abständen Bestandteil der RKI-Richtlinien: So sollten die Entnahmestellen für Kühl- und Spülwasser zu Beginn des Behandlungstags für mindestens zwei Minuten mit Wasser durchgespült werden. Benutzte Entnahmestellen für Kühl- und Spülwasser sollten nach jeder Patientenbehandlung gespült oder mittels einer Autopurge-Funktion der Behandlungseinheit gereinigt werden. Um eine mögliche retrograde Verkeimung der Behandlungseinheit zu beseitigen, sollte auch am Ende eines Praxistags noch einmal eine Durchspülung erfolgen.

Um dies optimal umzusetzen, bieten die Hersteller unterschiedliche Verfahren an. Ältere Behandlungseinheiten verfügen zu diesem Zweck über eine Sanierhaube in Kombination mit automatischen Programmen (Purge & Autopurge), mit denen die Wasserwege gespült und eine Keimreduktion erreicht werden. Diese Haube wird auf das Speibecken aufgesetzt, die Schläuche dann in entsprechende Adapter eingesetzt. Viel häufiger wird in den Praxen jedoch ein manuelles Verfahren angewendet, um die Saugschläuche zu reinigen: Dafür muss im Sterilisationsraum eine Desinfektionslösung angesetzt, in einen Kanister abgefüllt und schließlich im Behandlungszimmer über die Sauger „eingesaugt“ werden.

Bei einer Drei-Wege-Spritze sowie drei Instrumenten am Arztelement, einer Drei-Wege-Spritze am Assistenzelement und dem Mundglasfüller sind es insgesamt sechs Wasserwege, die bei älteren Behandlungseinheiten manuell und größtenteils nacheinander gespült werden müssen. Dabei steht die Assistenz die ganze Zeit an der Einheit und lässt das Wasser aus den Instrumentenschläuchen ins Mundspülbecken laufen. Eine für die verantwortliche Assistenz umständliche, zeitaufwendige und manchmal unangenehme Prozedur. Dies gilt für (ältere) Behandlungseinheiten, die noch nicht über eine Autopurge-Funktion verfügen.

Automatisierte Prozesse für mehr Effizienz: Moderne Behandlungseinheiten, zum Beispiel von
Dentsply Sirona, bieten für die automatisierten Reinigungsprozesse integrierte Reinigungsadapter für die Instrumentenschläuche an (Abb. 1). Ausgelöst wird das entsprechende Programm über das Bedienpaneel, auf dem auch zur Kontrolle der Ablauf der einzelnen Prozessschritte angezeigt wird. Die Hersteller empfehlen, vor dem ersten Patienten 120 Sekunden alle Wasserwege zu spülen, um Stagnationswasser zu entfernen.

Nach jedem Patienten sollten alle verwendeten Instrumentenschläuche für mindestens 20 Sekunden mit aufgesteckten Instrumenten gespült werden. Zusätzlich erfolgt mit nur einem Knopfdruck das Durchspülen aller Saugschläuche mit der integrierten Saugschlauchreinigung. Der große Vorteil liegt hier darin, sämtliche Instrumente gleichzeitig und zuverlässig in der geforderten Dauer durchspülen zu lassen. Während dies automatisch abläuft, kann die Behandlungseinheit gereinigt und für den nächsten Patienten bereits vorbereitet werden. Einmal im Monat sowie nach längeren Stillstandzeiten ist eine Sanierung der Schläuche notwendig. Das ist auch der Prozess, der vor Inbetriebnahme der Behandlungseinheit erfolgen muss.

Diese Hygieneprozesse können über das Display am Arztelement mitverfolgt werden. Je nach Hersteller lassen sich hier weitere Funk­tionen anzeigen, etwa wann ein Desinfektions- oder Reinigungsmittel nachgefüllt werden muss. „Für uns in der Zahnarztpraxis bedeuten unkomplizierte Reinigungsprozesse zum einen natürlich hygienische Sicherheit, zum anderen aber auch mehr Komfort“, sagt Dr. Caroline Gerhard aus Griesheim. „Die Hygieneprotokolle lassen sich auf diese Weise einfach und vor allem sicher einhalten. Ich muss mein Team nicht umfangreich schulen lassen, die nötigen chemischen Substanzen können sparsam eingesetzt werden. Hinzu kommt, dass die Automatik einen echten Zeitgewinn bedeutet. Diese steht uns dann für den nächsten Patienten zur Verfügung.“

Literatur

[1] Krauß M. Aufbereitung von Medizinprodukten in der zahnärztlichen Praxis. Zahnärztekammer Niedersachsen. 2018; 16-17

[2] Muschinsky N Problematik der Keimbelastung wasserführender    Dentaleinheiten in der Universitätsmedizin Göttingen unter besonderer Berücksichtigung von Legionella pneumophila - Bestandsaufnahme und Möglichkeiten der Keimreduzierung. Dissertation zur Erlangung des Doktorgrades an der Med. Fakultät der Universität Göttingen. 2014; 28-37

Zusätzlich: