Der Kommentar

Das schräge Bild vom Zahnarzt: Reports und Umfragen

High five: An Selbstbewusstsein mangelt es auch dem neuen KZBV-Vorstand nicht, an komplexen Aufgaben und harten Nüssen allerdings ebenfalls nicht.

High five: An Selbstbewusstsein mangelt es auch dem neuen KZBV-Vorstand nicht, an komplexen Aufgaben und harten Nüssen allerdings ebenfalls nicht.

Es vergeht ja kaum ein Monat, manchmal nicht einmal eine Woche, in der nicht irgendeine Umfrage, ein Report oder eine Studie rund um Gesundheitsthemen durch die Presse, die Online-Portale und Social-Media-Kanäle läuft. Sei es zur Nutzung von Gesundheitsapps, zu Wartezeiten auf Arzttermine bei Kassen- und Privatpatienten (jüngst in NRW), zur Inanspruchnahme bestimmter Leistungen etc. pp. – vor allem die Krankenkassen und die Verbraucherportale sind hier engagiert unterwegs. Gerne im Blick: die Zahnärzte – nicht zuletzt, weil hier jeder glaubt, mitreden zu können und seine Meinung hat, und wenn sie auch nur dem allgemeinen Mainstream folgt ("Angst", "zu teuer" …).

Schräges Bild des Zahnarztes in Öffentlichkeit

Folgt man dem, was Krankenkassen, Verbraucherschützer, Politiker und Co. an Umfragen und Studien zu Zahnärzten bringen, sind zahnärztliche Leistungen zu teuer, wird nicht ausreichend aufgeklärt, gehen Patienten aus Angst vor den Kosten nicht zum Zahnarzt, stimmt die Qualitätssicherung der Behandlung nicht, passieren zu viele Behandlungsfehler etc. Das führt zu einem "schrägen" Bild des Zahnarztes in der Öffentlichkeit – dem wiederum andere Studien und Erhebungen gegenüberstehen, nachdem Zahnärzte die mit Abstand beliebteste Arztgruppe sind, und die überwältigende Mehrheit ihren Zahnarzt als gut bewertet und ihm die Treue hält.

Manches wirkt auch schizophren – erinnert sei nur an die schlechte Bewertung der Professionellen Zahnreinigung beim gesunden Patienten durch den IGeL-Monitor der Krankenkassen. Die steht in diametralem Kontrast zur wachsenden Bereitschaft der Krankenkassen, die PZR für ihre Patienten als Satzungsleistung oder in Selektivverträgen zumindest teilweise zu erstatten. Das hat wiederum die aktuelle Erhebung der KZBV zu diesem Thema gezeigt.

Nicht alles, was da kommt, hält zudem einer wissenschaftlichen Bewertung stand. Der alte Zynikerspruch "Traue nur der Statistik, die Du selbst gefälscht hast" kommt einem hier gerne in den Sinn. Wissenschaftlich saubere Umfragen zu erstellen ist nicht einfach – und teuer. Die von der Zahnärzteschaft unabhängig finanzierte Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie ist ein Beispiel dafür. Im Zeitalter der Digitalisierung lockt natürlich die Möglichkeit, Online-Befragungen zu machen – das verspricht Schnelligkeit und scheint kostengünstiger, hat aber ebenfalls seine Tücken. Mitunter merkt man auch die Absicht dahinter und ist verstimmt – weil mit Umfragen Produkte oder Dienstleistungen "verkauft" werden sollen.

Wichtige Analysen

Es ist nicht immer einfach, das zu bewerten, was da kommt. Gerade aufwendige, mit wissenschaftlicher Expertise unterstützte Erhebungen wie der jährliche "Barmer Zahnreport" sind nicht immer zahnarztfreundliche, aber wichtige und hilfreiche Analysen des sogenannten Versorgungsgeschehen. In diesem Jahr haben die Wissenschaftler sich das politisch und zahnmedizinisch hochaktuelle Thema Parodontitis vorgenommen – die Ergebnisse könnten einen wichtigen Einfluss darauf haben und ein Signal sein, wie es beim Bemühen der Zahnärzteschaft um eine Neubeschreibung der PAR-Therapie in der Gesetzlichen Krankenversicherung weitergehen könnte.

Fast sieben Seiten umfasst der Brief der KZBV an die Verbraucherzentrale Nordrhein als Betreiber des Portals "Kostenfalle Zahn". Auch hier geht es um die aus Sicht der Zahnärzte kritisch zu hinterfragende Umfrage – und um ein Angebot: Gemeinsam eine wissenschaftliche saubere Befragung von Patienten durch ein externes, unabhängiges Marktforschungsinstitut durchzuführen. Gute Idee.

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