Politik

IDS & FDI

„Die FDI muss politischer werden“

Dr. Peter Engel im dzw-Interview mit einer Rückschau zur IDS und einer Vorschau zu seiner Kandidatur als President elect bei der FDI.
dzw/Tanja Peschel

Dr. Peter Engel im dzw-Interview mit einer Rückschau zur IDS und einer Vorschau zu seiner Kandidatur als President elect bei der FDI.

Die IDS ist zu Ende. Die dzw fragte Dr. Peter Engel, Präsident der BZÄK, zur IDS 2019 und zu seiner Kandidatur als President elect beim Weltzahnärzteverband FDI. Die Fragen stellte Dr. Helge David.

Was waren für Sie die Highlights der IDS 2019?

Dr. Peter Engel: Viele Entwicklungen der IDS 2017 haben jetzt noch einmal rasant an Fahrt gewonnen. Es ist vor allem die Digitalisierung. Es blinkt und leuchtet überall. Bei dem rasanten Entwicklungstempo sollte sich jede Praxis überlegen, was ist ein „Must“ und was ist ein „Want“.

Das Berufsbild „Zahnarzt“ unterliegt ­einem starken Wandel durch die Digita­lisierung und die Demografie. Wie muss die Standespolitik darauf reagieren?

Engel: Wir haben einen disruptiven Strukturwandel vor uns, der dem bisherigen Goldstandard der Einzelpraxis andere Berufsausübungsformen zur Seite stellt.  Neben dem Generationenwechsel wird die Zahnmedizin zu 70 Prozent von Frauen getragen. Und die jüngere Generation hat auch ganz andere Vorstellungen, wie sie ihr Leben und auch ihr Berufsleben gestalten will. Beruf und Familie sollen zusammenpassen. Es ist für die meisten nicht vorstellbar, morgens um acht in die Praxis zu gehen und erst abends um acht wieder zu Hause zu sein. Jobsharing- und Teilzeitmodelle werden wesentlich stärker in den Vordergrund treten – gerade in Zeiten der Familiengründung. Wir müssen darauf achten, dass wir der jüngeren Generation den Spaß am Beruf erhalten, indem wir Modelle finden und fördern, die ihnen erlauben, so zu arbeiten, wie sie es möchten.

Was sind das beispielweise für Modelle?

Engel: Berufsausübungsgemeinschaften und ZMVZ sind sicherlich ein Weg, um den zukünftigen Herausforderungen gerecht zu werden. Sofern sie nicht durch Fremdinvestoren aufgekauft und betrieben werden und ausschließlich als Renditeobjekte dienen. Wenn Sie über die Messe gehen, sehen Sie die Technik, die Innovationen, die für Dia­gnostik und Behandlung zum Einsatz kommen. Diese sind aber mit hohen Investitionen verbunden. Das ist schwer darstellbar für eine Einzelpraxis. Hier können BAG oder ZMVZ durchaus sinnvoll sein.

Im Vorfeld der IDS haben Sie eine ethische Auseinandersetzung zum Thema ­Digitalisierung gefordert. Wie kann die aussehen? Wo soll sie stattfinden?

Engel: Die Digitalisierung darf die ganz spezielle Vertrauensbeziehung von Arzt und Patient nicht zerstören. Wir müssen bei aller digitalen Euphorie aufgrund unserer berufsethischen Verpflichtung darauf bestehen, dass die digitalen Innovationen immer dem Wohl des Patienten dienen und seine Daten geschützt bleiben. So kann etwa  die Aufklärung der Patienten durch ihren Zahnarzt nicht durch „Dr. Google“ ersetzt werden.

Beim Jahreskongress des Weltzahnärzteverbands FDI kandidieren Sie als President elect. Was treibt Sie an?

Engel: Ich bin aufgrund meiner langjährigen internationalen Tätigkeit gefragt worden, ob ich mir eine Kandidatur vorstellen kann. Was mich dabei umtreibt, ist, den guten Slogan der FDI „Leading the World to Optimal Oral Health“ auch auszufüllen. Die FDI muss den Zusammenhalt aller Mitgliedsländer fördern. Dazu müssen die Bedürfnisse und Bedarfe der unterschiedlichsten Regionen gehört und berücksichtigt werden. Mit den Projekten der FDI müssen wir auch verstärkt den Zahnarzt in den Mittelpunkt stellen. Wir müssen seine fachliche Selbstständigkeit und Eigenverantwortlichkeit fördern. Zudem haben wir Schwerpunktthemen wie Mundgesundheit, Antibiotikaresistenz, Unterernährung, Zuckerreduktion, Gesundheitssysteme. Wir müssen diese Themen entsprechend ihrer Bedeutung stärker im gesundheitspolitischen Bereich vernetzen. Dies ist uns auch erstmalig beim letztjährigen G20-Gipfel der Gesundheitsminister gelungen. Es ist wichtig, das Bindeglied zur Medizin herauszustellen.

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