Wirtschaft

Trotz Zufriedenheit im Job: Jeder dritte Mitarbeiter auf dem Absprung

Die gute Nachricht vorweg: Die Deutschen sind mehrheitlich zufrieden mit ihrer beruflichen Entwicklung in den vergangenen drei Jahren. Knapp drei Viertel der insgesamt 1.478 Teilnehmer einer jüngst durchgeführten Online-Studie des Karriere-Coachs Slaghuis erklärte, sie seien zufrieden bis hoch zufrieden in ihrem aktuellen Job.

Aufmerksam machen sollte Arbeitgeber jedoch, dass diese hohe Zufriedenheit Angestellte heute nicht mehr an Unternehmen bindet. "Jeder Dritte erklärte nämlich, mit hoher Wahrscheinlichkeit 2016 seinen Arbeitgeber wechseln zu wollen", berichtet Bernd Slaghuis.

Chefs die kalte Schulter zeigen

Der Kölner Karrierecoach erklärt diese hohe Wechselmotivation damit, dass Arbeitnehmer in Zeiten einer guten Arbeitsmarktlage stets auch ihren Job optimieren möchten. "Zudem bestätigt dieses Ergebnis, dass sich die Haltung von insbesondere jungen Angestellten gegenüber ihrem Arbeitgeber verändert hat", so Slaghuis. Unternehmen forderten in den vergangenen Jahren von Bewerbern und Mitarbeitern mehr Flexibilität ein, heute zeigt sich die Kehrseite flexibler Angestellter: "Sie zeigen ihrem Arbeitgeber auch deutlich schneller die kalte Schulter als früher und suchen sich einen anderen Job“, erlebt der Karriereexperte immer wieder.

Jobfrust vor allem bei den 40 bis 49-Jährigen

Vor allem die 40- bis 49-Jährigen sind im Altersvergleich am unzufriedensten mit ihrer Tätigkeit, die unter 30-Jährigen hingegen am zufriedensten. "Insgesamt überrascht aber die doch recht hohe Gesamtzufriedenheit der Befragten nicht zuletzt vor dem Hintergrund der Work-Life-Balance- und Burnout-Diskussionen in den letzten Jahren", erklärt Bernd Slaghuis. Der vermeintlich extrem hohe Jobfrust, den frühere Studien den Deutschen attestierten, muss mit diesem aktuellen Befragungsergebnis relativiert und infrage gestellt werden.

Karriereziele 2016: Weiterentwicklung und Neues lernen

Bei den Karrierezielen für 2016 steht laut der Erhebung Neues lernen ganz oben auf der Agenda der Deutschen. Drei Viertel aller Teilnehmer beurteilten die fachliche Weiterentwicklung als ihr wichtigstes berufliches Ziel in den nächsten zwölf Monaten. Denn hier sehen sie im Vergleich zu ihrer persönlichen Entwicklung der vergangenen Jahre Aufholbedarf, ermittelte Slaghuis. Hinzu kommt: 70 Prozent der Befragten verbinden mit Karriere heute vor allem Selbstverwirklichung, Herausforderung und Anerkennung. Laut dem Kölner Karrierecoach werden wir immer wissenshungriger im Job.

Experte sein wollen und für den Markt fit halten

"Die Arbeitnehmer haben erkannt, dass sie im Spannungsfeld von Komplexität, Dynamik und Digitalisierung mithalten und sich für den Arbeitsmarkt fit halten müssen", berichtet Slaghuis. Doch auch das wachsende persönliche Bedürfnis nach einer sinnstiftenden Herausforderung und fachlichen Anerkennung seien wichtige Motivatoren, um sich fachlich weiterzuentwickeln. Dazu passt ein weiteres Ergebnis dieser Studie, wonach sich die Mehrzahl der Angestellten und Führungskräfte heute vor allem über die Rolle als Experte in ihrem Beruf definieren.

Jüngere wollen Sicherheit

Ein für den Karriere-Coach überraschendes Ergebnis: Sicherheit im Beruf ist vor allem jungen Angestellten unter 30 Jahren besonders wichtig. Während Job-Sicherheit für rund zwei Drittel der Jüngeren ein wichtiger Faktor ist, hat sie mit zunehmendem Alter eine sinkende Relevanz. Dieses Ergebnis scheint laut Slaghuis zunächst im Widerspruch zu den vielfach in der Öffentlichkeit verbreiteten Bedürfnissen der sogenannten Generation Y zu stehen.

Seine Erfahrungen aus Coachings zeigen jedoch auch: "Viele junge Arbeitnehmer wünschen sich zwar Flexibilität, Entscheidungs- und Handlungsfreiheit im Beruf, doch hierfür benötigen sie von ihren Chefs feste Leitplanken, die ihnen Halt und Orientierung und damit Sicherheit in einem zunehmend durch Veränderung und Schnelligkeit geprägten Umfeld geben."