Hygiene

Hilfseinsatz

„Back to the roots“ – und es funktioniert

Instrumentenhygiene
Sylvia Gabel

Instrumente werden hier ohne Hightech desinfiziert - und es funktioniert!

Bei meinem zahnärztlichen Hilfseinsatz mit NamCare in Sesfontein/Namibia findet das Thema Hygiene eine sehr große Beachtung. Weit weg von Validierung, Freigaben, Dokumentationen, Verpackung, Lagerung, Begehungen und noch vielen anderen wichtigen Sachen …

Mein Arbeitstag beginnt frühmorgens um 8 Uhr im Health Center, wo wir zwei Räume für die Behandlung der Patienten erhalten haben. Im ersten Raum ist mein Aufbereitungsbereich für benutzte Instrumente mit einer unreinen und einer reinen Seite. Der unreine Bereich besteht aus einer Spüle, einer Wannendesinfektion, einem Spülbecken und einer Ablage für die Instrumente nach der Desinfektion. Gegenüber habe ich zwei  Sterilisatoren stehen, nach der Sterilisation werden die sterilen Instrumente in chirurgische Körbe und Tabletts gelegt und ins Behandlungszimmer gebracht.

Keinerlei Wartung oder Validierung

In diesem Behandlungsraum steht an der Wand ein großer Tisch, der mit chirurgischen Tüchern abgedeckt und mit Instrumenten ausgelegt ist. Die Anordnung der Instrument habe ich im Vorfeld mit unserem Chirurgen besprochen. Nach Sterilisation und Transport in den Behandlungsraum werden die Instrumente wieder auf dem Tisch einsortiert und mit chirurgischen Tüchern abgedeckt. Vor jeder Extraktion oder Osteotomie werden die Instrumente auf einem Tray zusammengestellt und dem Behandler angegeben.

Hier in Namibia ist eine extrem hohe Anforderung an die Einhaltung der RKI-Richtlinie gefordert, vor allem unter der Voraussetzung, dass es hier kein RDG oder einen Autoklaven wie zu Hause gibt. Und es gibt auch keinerlei Wartung oder Validierung. Jeder zweite Patient hat hier entweder HIV, Hepatitis oder auch Tuberkulose. Genauso wird großer Wert auf die persönliche Schutzausrüstung gelegt – Mundschutz, Gesichtsschutzschild, Handschuhe. Hier bin ich für die Desinfektion und Sterilisation zuständig.

Wischdesinfektion ist selbstverständlich

Auch in meinem Aufbereitungsraum lege ich viel Wert auf die Einhaltung der Richtlinien. Für die Desinfektion der gebrauchten Instrumente habe ich mir ein VGH-gelistetes Desinfektionsmittel mitgebracht. Und einen Kurzzeitwecker für die Einhaltung der Wirkzeit. Ich setze täglich meine dreiprozentige Desinfektionslösung in meinem Wannenbottich an. Auch für die Desinfektion unseren rotierenden Instrumente habe ich alles dabei, um die Richtlinien korrekt einzuhalten.

Die Wirkzeit in der Desinfektionslösung ist laut Hersteller bei einer dreiprozentigen Lösung nur 15 Minuten bei einer Wannendesinfektion mit zwei Litern Inhalt. Danach werden die Instrumente unter fließendem Wasser abgespült, kontrolliert und abgetrocknet. Danach gehen alle Instrumente in den Autoklav und werden sterilisiert. Da ich zwei Autoklaven habe, geht der Sterilisationsvorgang schnell,  und ich habe immer zeitnah die Instrumente sterilisiert vor Ort.

Da wir hier keine Terminsprechstunde haben, können wir nicht voraussehen, wieviele Instrumente benötigt werden. In den ersten Tagen bin ich meistens im Aufbereitungsraum. Nach den Behandlungen ist auch die Aufbereitung der Behandlungszimmer meine Aufgabe. Die Anwendung der Wischdesinfektion nach Herstellerangabe ist selbstverständlich für mich. So können wir hier gut unter hygienischen Voraussetzungen arbeiten.

Weniger Bürokratie, mehr Zeit

Im Gegensatz zu Deutschland ist die Einhaltung der Hygiene hier unbürokratischer und geht dadurch schneller. Man sollte wirklich überlegen, ob dieser Bürokratismus und diese enorme Kostenentwicklung in den Zahnarztpraxen in Deutschland wirklich notwendig sind oder ob man das Verfahren nicht vereinfachen kann. Die Infektionsgefahr für unsere Patienten hier ist genauso gering wie in Deutschland; und ich habe hier die einfacheren Möglichkeiten, Hygiene einzuhalten.

Ich handhabe sie gerade nach dem Prinzip „back to the roots“ – und es funktioniert. Wir sollten überlegen, ob es nicht sinnvoller ist, mehr Zeit für die Behandlung unserer Patienten zu nutzen, als viel zu viel Zeit mit Bürokratie, Validierung, Freigaben, Begehungen zu verbringen.

Sylvia Gabel, z.Zt. Sesfontein/Namibia

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