Politik

Verband der ZahnÄrztinnen fordert Übergangsquote

„Das Thema regelt sich nicht von alleine“

Dr. Anke Klas, Präsidentin des VdZÄ
DZW / Evelyn Stolberg

Dr. Anke Klas ist niedergelassene Zahnärztin und Präsidentin des VdZÄ.

Mitte 2018 wurde der Verband der ZahnÄrztinnen (VdZÄ) gegründet. Seine Mitglieder fordern eine ausgewogene, gleichgestellte Standespolitik. Denn: Die Belange junger Frauen, die Beruf und Familie zum Teil anders als die Generation davor unter einen Hut bringen möchten, werden aktuell nicht ausreichend berücksichtigt. Warum nur eine Übergangsquote für Veränderungen sorgen kann – und welche Ziele der Verband noch verfolgt – darüber sprach VdZÄ-Präsidentin Dr. Anke Klas mit DZW-Redakteurin Evelyn Stolberg.

Was hat sich seit der Gründung des Verbands der ZahnÄrztinnen (VdZÄ) getan?
Dr. Anke Klas:
Ganz vieles. Zunächst einmal haben wir fast alle bürokratischen Hürden zur offiziellen Verbandsgründung überwunden. Der Vorstand trifft sich regelmäßig, und wir sind mittlerweile auch bei Facebook, Twitter und Instagram aktiv. Und ganz wichtig: Wir haben unsere Forderung nach einer Übergangsquote auf den Weg gebracht, um für eine adäquate Interessenvertretung in der Standespolitik zu sorgen.

Wie viele Mitglieder hat Ihr Verband mittlerweile?
Klas:
Da wir noch mit bürokratischen Hindernissen zu kämpfen haben, konnten wir bislang noch nicht unsere Mitgliedsformulare verschicken. Unsere derzeitige Warteliste auf Mitgliedschaft wird aber immer länger. Wir sind aktuell dabei, alles in die Wege zu leiten, um die Mitglieder aufzunehmen.

Gab es schon Reaktionen auf die Forderung nach einer Übergangsquote?
Klas:
Das Thema Übergangsquote ist ein diffiziles, sensibles Reizthema. Direkt gab es keine Reaktion darauf, abgesehen von sehr viel Unterstützung aus den eigenen Reihen und Signale, Mitglied zu werden und uns zu unterstützen. Indirekt wird der Antrag „Zukunft aktiv gestalten“ des FVDZ (Freier Verband Deutscher Zahnärzte e.V.) eine Reaktion auf unsere Forderung sein, wo der Berufsstand geschlechts- und generationsübergreifend die Rahmenbedingungen für die Ausübung des Berufs gestalten soll. Dieser Kompromissantrag wird aber auch nicht dazu beitragen, das seit Jahren bestehende geschlechtliche Missverhältnis der standespolitischen Interessenvertretung aufzuheben. Das eigentliche Problem wird wieder nicht angegangen. Seit Jahren wird gefördert, seit Jahren hört man „das Thema regelt sich von alleine“, oder es solle die Kompetenz ausschlaggebend sein. An der gleichberechtigten Teilhabe von Frauen und Männern, besonders in den Führungspositionen, hat sich nach wie vor nichts geändert. Wir müssen das Thema endlich mutig angehen, und dies haben wir auch nochmal in unserer Pressemitteilung vom 8. Oktober 2018 mit der Forderung nach einer Übergangsquote kundgetan. Wir werden am Ball bleiben – und die Reaktionen werden nicht mehr lange nur „indirekt“ bleiben können. Aber lassen Sie uns festhalten: Es geht uns nicht um Reaktionen, sondern um festgeschriebene Veränderung. Wenn dies ohne „verbale Reaktion“ passiert: auch gut! Hauptsache, es tut sich was und die Übergangsquote wird zur Regel.

Was sind Ihre nächsten Ziele?
Klas:
Die nächsten Ziele – die letztlich alle auch mit der Standespolitik verwoben sind – werden sein, an einem familienfreundlichen Praxismodell zu arbeiten und die Bedingungen für Alleinerziehende zu verbessern. Die Themen Altersversorgung und Notdienstregelung stehen ebenfalls auf der Agenda. Und wir werden uns den Belangen angestellter und selbstständiger Zahnärztinnen widmen.

Ist die Vereinbarkeit von Familie und Beruf immer noch ein Frauenthema? Die Kinder haben ja auch einen Vater …
Klas:
Leider ja, wobei das Bewusstsein für eine egalitäre Rollenverteilung immer größer wird. Auch dies werden wir natürlich fördern und unterstützen. Hier kommt uns die junge Generation mit eigenen Werten zu Familie und Beruf und dem Wunsch nach einem gesunden Verhältnis durchaus entgegen. Genau betrachtet ist das Thema letztlich auch ein Generationenthema, dem die Standespolitik mehr Raum bieten muss. Die Rahmenbedingungen im Berufsstand verändern sich derzeit erheblich. Bei all diesen Entwicklungen gilt es unbedingt die Freiberuflichkeit über Wasser zu halten!

Reden wir einmal von den dringendsten Problemen: Zahnärztinnen mit kleinen Kindern und dem Wunsch nach Teilzeit. Wie wollen Sie das angehen? Wären Z-MVZ eine Lösung?
Klas:
Das Angestelltenverhältnis ist sicher ideal, um dem Wunsch nach Teilzeit nachzukommen. Die Frage, welche Rolle die Zahnmedizinischen Versorgungszentren hierbei spielen, würde ich erst mal offenlassen – hier gibt es aktuell noch zu viele Verallgemeinerungen in der Debattenlandschaft. Das Thema ist aber sicher nicht schwarz-weiß zu sehen. Außerdem sind gerade in kleinen Praxen die Arbeitszeiten – sowohl für die Chefin und Mutter als auch für angestellte Zahnärztinnen mit Kind – angenehmer, und man muss nicht in der Nachmittagsschicht bis 21 Uhr arbeiten.
Aber auch alle anderen möglichen Kooperationsformen, etwa eine Gemeinschaftspraxis oder Praxisgemeinschaft, ermöglichen einer selbstständigen Zahnärztin doch ein gutes Arbeiten in Teilzeit. Wenn sich eine junge Mutter und Zahnärztin nicht auch noch mit dem ganzen Bürokratieberg aus­ein­andersetzen müsste, der ein Drittel der Arbeitszeit in Anspruch nimmt, wäre sicherlich auch das Arbeiten in einer Einzelpraxis gut stemmbar.

Dr. Anke Klas, Präsidentin des VdZÄ
DZW / Evelyn Stolberg

Dr. Anke Klas, Präsidentin des VdZÄ.

Die Teilnahme an Weiterbildungen ist für Alleinerziehende schwierig. Haben Sie hierfür Lösungsansätze?
Dr. Anke Klas:
Wir brauchen eine Kinderbetreuung während der Fortbildungen, so, wie sie die KfO-ler bereits haben. Und wir brauchen eine finanzielle Entlastung, die über die Senkung der Gebühren erfolgen sollte. Rückmeldungen belegen klar, dass die Kosten und die Betreuung ein enormes Hindernis darstellen. Die meisten Alleinerziehenden können nur in Teilzeit arbeiten, haben dadurch einen geringeren Lohn und müssen trotzdem die gleichen Kosten tragen. An sich müssten die Randbetreuungszeiten besser vom Staat gewährleistet werden, sodass Alleinerziehende flexibler arbeiten könnten. An sich wären praxisinterne Kindertagesstätten oder eine Tagesmutter-Einrichtung in einem Ärztehaus hervorragend für ein optimales Zeitmanagement.

Wie steht der VdZÄ zum Thema Mutterschutz und Beschäftigungsverbot?  
Klas:
Hier ist derzeit noch viel im Umbruch, obwohl das Gesetz ja seit Anfang dieses Jahres gilt. Der kürzlich einberufene Ausschuss Mutterschutz, der sehr vielschichtig besetzt ist – heißt: mit vielen Interessenvertretern –, will auch das Thema Gefährdungsbeurteilung genauer prüfen. Es ist derzeit manches nicht praxisreif, was nun rechtlich abgesegnet ist – dagegen gehen wir auf vielen, auch politischen Ebenen an. Die Arbeitgeber in den kleinen Praxen stehen oft mit dem Rücken zur Wand, da ist ein Baufehler im System. Manche angestellte junge Mutter hat auch noch nicht verinnerlicht, was das „Beschäftigungsverbot“ in der Still-Zeit für Konsequenzen haben kann. Wir müssen ja unterscheiden zwischen Schwangerschaft und Stillphase, auch, wenn das Gesetz das alles grob in einen Topf wirft, dann aber doch etwas eiert, wenn es konkret wird.
Zudem ist derzeit das Thema „Mutterschutz im Zahnmedizin-Studium“ auf der Agenda. Wir sind in entsprechenden Gremien aktiv und versuchen zu verhindern, dass unterschiedliche Bemessungen der „Gefährdung“ zu nachfolgenden Rechtskämpfen führen, weil sich die Anforderungen in Praxis und Hochschule widersprechen. Unser Ziel ist klar: Die Rahmenbedingungen müssen sauber geklärt, auch für eine kleine Praxis umsetzbar, fair und transparent sein beziehungsweise werden. Und die Krankenkassen, die im Rahmen des Gesetzes die Entgeltfortzahlung bei Mutterschaft über das U2-Umlage-Verfahren zu leisten haben, müssen sich auch an das Gesetz halten und nicht Eigeninterpretationen anwenden. Derzeit ist die Situation in „betroffenen“ Praxen oft sehr angespannt. Das ist sehr schade. Eigentlich sollte es so sein, dass wir uns über jeden sich ankündigenden neuen Erdenbürger von Herzen freuen können.

Sie setzen sich für die Stärkung der Freiberuflichkeit ein, sprechen von Netzwerken. Wie kann das umgesetzt werden?
Klas:
Gerade in der heutigen Zeit, in der Restriktionen immer weiter zunehmen, gilt es, die Freiberuflichkeit zu stärken. Sie ist ein außerordentlich wichtiger demokratischer Bestandteil des Gesundheitssystems. Aufgrund der demografischen Veränderungen im Berufsstand werden wir diese Stärkung nur durch eine ernsthafte Einbeziehung des weiblichen Anteils auf den Weg bringen können. Dies kann durch Vorbilder und Ansprache gelingen. Da wären wir auch wieder beim Thema, was die Wichtigkeit einer Übergangsquote angeht.
Ich würde insgesamt nicht von Netzwerken sprechen, sondern möchte lieber „aktive Zusammenarbeit“ als Begriff wählen. Ein expliziter standespolitischer Berufsverband wie der VdZÄ bietet fundierte, durchdachte Unterstützung, Informationen und die Möglichkeit des Austauschs an. Er möchte dazu motivieren, sich für politische Themen aktiv einzusetzen. Das funktioniert auf Bundesebene, aber auch durch die thematische Erweiterung bestehender Stammtische.

Sehen Sie Z-MVZ als mögliche Lösung? Und was erzählen die Kolleginnen beim Stammtisch über ihre Erfahrungen als Angestellte in einem solchen Konstrukt?
Klas:
Bislang habe ich keine grundlegenden negativen Erfahrungen zugetragen bekommen. Allerdings kann auch eine kleine Praxis flexible, vielleicht manchmal sogar bessere Arbeitszeiten anbieten – und oft ist die Kommunikation zum Chef direkter … Und nicht zu vergessen: Ein Z-MVZ ist nicht automatisch ein Fremdinvestor-Konstrukt, das allein auf Rendite baut. Wir haben bereits kleine Konstruktionen als Varianten zur Berufsausübungsgemeinschaft, und da hören wir nur zufriedene Rückmeldungen – abgesehen davon, dass es offenbar einen politisch motivierten Dauer-Clinch mit der zuständigen KZV gibt. Der Berufsstand muss dieses Thema erst bearbeiten und eine Position entwickeln, die aus einem „Korridor der Chancen“ und „Grenzen der Zumutbarkeit“ besteht und die Rahmenbedingungen gleichstellt. Eine strukturelle Benachteiligung der klassischen kleinen Praxis darf es nicht geben!

Was wird Ihnen widergespiegelt: Gibt es spürbare Unterschiede, ob jemand bei einem von Zahnärzten geführten Z-MVZ arbeitet, in einem von einem Investor geführten oder als Angestellte in einer „normalen“ Praxis?
Klas:
Dazu kann ich zur Zeit keine Angaben machen, weil uns zu diesem Thema noch fundierte Kenntnisse fehlen. Wir sind jedoch dabei, Erfahrungsberichte zu sammeln.


Dr. med. dent. Anke Klas
Dr. Anke Klas ist Präsidentin des Verbands der ZahnÄrztinnen (VdZÄ). Die in Bonn und mit einer Zweitpraxis in der Eifel niedergelassene Zahnärztin ist ebenfalls Managerin Health Care Systems/freiberufliche Selbstverwaltung, zertifizierte Endodontologin, zertifizierte Implantologin und hat eine Intensivausbildung in Kinder- und Jugendzahnheilkunde absolviert.


Kontakt zum Verband der ZahnÄrztinnen (VdZÄ)
Der Verband erstellt aktuell eine Website und ist bereits über Facebook, Twitter und Instagram erreichbar. Wer Mitglied werden oder in Kontakt mit dem Verband treten möchte, kann sich per E-Mail mit der Kommunikationsbeauftragten Birgit Wolff unter info@zahndienst.de in Verbindung setzen.