ZahnMedizin kompakt

No-Prep-Veneers

Viele Wege, wenig Daten

Veneers_Ausgangssituation
Axel Gütges, ZTM, Xcitedent, Düsseldorf; Erstpublikation: Gütges A. Quintessenz Zahntechnik 2010;36(3):302-316

Patientin mit auffälligem Diastema zwischen den mittleren Oberkieferschneidezähnen

 

Präparationsfreie (additive) Veneers wurden von zahnärztlicher Seite aufgrund ungünstiger In-vitro-Ergebnisse zunächst kritisch bewertet [1]. Nachweise, dass die Methode im Frontzahnbereich – als Alternative zu Veneers mit definiertem Präparationsrand – langfristig funktioniert, gibt es aufgrund einer einfachen PubMed-Recherche nicht.

Nach zwei Jahren wurden jedoch in einer Studie für beide klinischen Methoden vergleichbare Ergebnisse gefunden [2]. Die Randpassung war nach derselben Untersuchung bei präparationsfreien Veneers In-vitro sogar besser. Die „interne“ Passung an der Grenzfläche zum Zahn war dagegen bei konventionellen Veneers präziser.


Für schnelle Leser

  • Für präparationsfreie Veneers eignen sich klassische keramische Herstellungsmethoden.
  • Klinische Erfolgsstudien sind kaum zu finden.
  • Experten bewerten die Randqualität kritisch, eine Studie kommt zu gegenteiligen Ergebnissen.
  • Präparationsfreie Veneers sind auch für funktionelle Zwecke nutzbar.
  • Konfektionierte Veneer-Produktsysteme auf Kompositbasis könnten in ausgewählten Indikationen eine kostengünstige Option sein.

Ästhetik top, Hygienefähigkeit flop?

In einem Buch des Quintessenz Verlags werden in fünf von zwölf Fallberichten Anwendungen für präparationsfreie Frontzahn-Veneers beschrieben [3]. Die gezeigten Ergebnisse sind ästhetisch überzeugend. Andererseits lassen sie im Einzelfall wegen zervikaler Überkonturierung Zweifel aufkommen, dass Patienten ihre minimal-invasiven Restaurationen gut pflegen und damit die Gingiva gesund erhalten können (Beitrag Julian Canejo, Peer Kulzer).

Veneers_Ergebnis
Axel Gütges, ZTM, Xcitedent, Düsseldorf; Erstpublikation: Gütges A. Quintessenz Zahntechnik 2010;36(3):302-316

Das Diastema ist geschlossen, die definitiv befestigten Veneers (Platinfolien-Technik) sind klinisch absolut unauffällig.   

Herstellungsmethoden

Grundsätzlich eignen sich auch für präparationsfreie Veneers die klassischen keramischen Herstellungsverfahren. Gepresste Veneers sind laut Axel Gütges, Zahntechnikermeister aus Düsseldorf, vor allem für funktionelle Front- und Eckzahnaufbauten sinnvoll, auf feuerfesten Stümpfen geschichtete für Veneers, die einen Großteil des Zahns umfassen. Schichtung auf Platinfolien zeige dagegen bei kleinen bis mittelgroßen Veneers Vorteile, deren Übergang auf der Labialfläche liegt. Zusätzlich gibt es verschiedene CAD/CAM-Verfahren, bei denen aber auf Feinheiten der Schichtung verzichtet werden muss [4].
Weiterhin stehen unterschiedliche konfektionierte Systeme zur Verfügung. Eine dieser Optionen sind vergütete Kompositschalen, die mit Komposit fixiert werden (Componeer, Edelweiss). Eine andere sind wiederverwendbare Kunststoffschablonen (Ultradent Products). Da die Systeme individuell nicht angepasst sind, sind Zweifel angebracht, dass die Ergebnisse eine zahnmedizinisch vertretbare Qualität haben. Schließlich gibt es aufsteckbare Veneers, die nach häuslicher Abformung durch den Patienten zugesandt werden (Smile me up). Die Methode ist natürlich aus fachlicher Sicht in keiner Weise ernst zu nehmen.

Dr. Jan H. Koch

Dr. med. dent. Jan Hermann Koch ist seit dem Jahr 2000 als freier Fachjournalist und Berater tätig. Arbeitsschwerpunkte sind Fachartikel, Pressetexte und Medienkonzepte für Dentalindustrie und Verbände. Seit 2013 schreibt Dr. Koch als fester freier Mitarbeiter für die DZW und Fachmagazine, unter anderem die Kolumne ZahnMedizin kompakt (Nachfolge Dr. Karlheinz Kimmel).


Literatur

[1] Kunzelmann KH, Kern M. Wunsch und Wirklichkeit. Bewertung von prep-freien „Tenuia“-Veneers und ihrer Grenzen in der Praxis. Dtsch Zahnärztl Z 2009;64:582-586.
[2] Karagozoglu I, Toksavul S, Toman M. 3D quantification of clinical marginal and internal gap of porcelain laminate veneers with minimal and without tooth preparation and 2-year clinical evaluation. Quintessence Int 2016;47:461-471.
[3] Witkowski S, Schicha K (editors). Prep Veneers & Non-Prep Veneers: Quintessence Publishing, 2010.
[4] Nejatidanesh F, Savabi G, Amjadi M, Abbasi M, Savabi O. Five year clinical outcomes and survival of chairside CAD/CAM ceramic laminate veneers – a retrospective study. Journal of prosthodontic research 2018.


Hinweis

Beiträge in der Rubrik Zahnmedizin kompakt können in keinem Fall die klinische Einschätzung des Lesers ersetzen. Sie sollen – auf der Basis aktueller Literatur oder von Experten-Empfehlungen – die eigenverantwortliche Entscheidungsfindung unterstützen.