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Cannabis-Konsum: Deutsche Gesellschaft für Parodontologie warnt

Volldampf voraus?
 

Die Deutschen Gesellschaft für Parodontologie (DG Paro) befürchtet eine steigende Zahl von Parodontitis-Neuerkrankungen in jungen Lebensjahren.

Am 22. März 2024 hat der Bundesrat dem Inkrafttreten des Gesetzes zum „kontrollierten Umgang mit Cannabis“ zugestimmt. Dies sehen Mediziner und Zahnmediziner kritisch. So könnte dies laut der DG Paro eine Entscheidung von „einer gewissen, bislang wenig diskutierten Tragweite“ sein – und den Umgang mit dem Cannabisgesetz (CanG) unmittelbar beeinflussen.

Früher Einstieg, frühere Paro-Erkrankung

Cannabis kann auf unterschiedliche Art und Weise verwendet werden: als Marihuana geraucht, vaporisiert inhaliert oder in Form von „Edibles“ verzehrt werden. Die DG Paro befürchtet, dass die Legalisierung von Cannabis vor allem einen Anstieg des Marihuana-Rauchens zur Folge haben könnte. So habe in einer Reihe von Studien gezeigt werden können, dass der langfristige Cannabis-Konsum negative Konsequenzen für die parodontale Gesundheit bedeutet. Im Besonderen sei der früh, bereits in jungen Lebensjahren einsetzende Erkrankungsbeginn herauszustellen.

Rasch fortschreitende Formen

„In der Bevölkerung tritt Parodontitis in den meisten Fällen im höheren Lebensalter auf. Früh einsetzende und rasch progressive Formen der Parodontitis betreffen nur einen kleinen Teil der Bevölkerung und sind häufig mit anderen syndromalen Erkrankungsformen, zum Beispiel immunologische Grunderkrankungen) und/oder einer gewissen genetischen Prädisposition, verbunden“, heißt es in der Stellungnahme von Prof. Dr. Henrik Dommisch, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Parodontologie e. V. Der häufige Konsum von Marihuana scheine den Anteil an Neuerkrankungen in jungen Lebensjahren zu steigern und sei ein potenzielles Risiko für junge Menschen.

Ko-Faktoren im Blick

Auch müsse berücksichtigt werden, so die DG Paro, dass der regelmäßige Drogenkonsum mit weiteren Ko-Faktoren verbunden ist, die sich auf die allgemeine und parodontale Gesundheit negativ auswirken, etwa das Zigarettenrauchen oder regelmäßiger Alkoholkonsum. Hier könnten synergistische Effekte zusätzlich systemische und parodontale Konditionen negativ beeinflussen.

Aus wissenschaftlicher Sicht gebe es hinsichtlich des Einflusses von Cannabis auf die parodontale Gesundheit Hinweise auf eine „direkte Zytotoxizität gegenüber integralen und transienten Zellen des Parodonts, selektive anti-bakterielle Wirkung, einen direkten Einfluss auf Resistenzmechanismen etwa bei Spirochäten sowie dysregulative Prozesse im Rahmen der angeborenen und adaptiven Immunantwort.“

Zwar seien diese umfassenden Prozesse bislang noch nicht vollständig geklärt, könnten jedoch „aufgrund des synchronen Charakters der Einflüsse von Cannabis auf die Persistenz von pathogenen Mikroorganismen und die immunologische Modulation für die früh einsetzende kontinuierliche parodontale Destruktion eine Erklärung sein“, wie mehrere Studien ergaben haben.

Freigabe zur Unzeit

Die Cannabis-Legalisierung kommt laut DG Paro zudem zu einer Zeit, in der die Mittel für Parodontitis-Therapien begrenzt sind.  Mit der im Zuge des GKV-Finanzstabilisierungsgesetzes (FinStG) beschlossenen Budgetierung der parodontalen Leistungen sei bereits heute ein Rückgang an Neuaufnahmen gesetzlich versicherter Patientinnen und Patienten in eine Parodontitistherapie nachweisbar. Das aktuelle Niveau der Neuaufnahmen für die Parodontitistherapie liege unter dem Niveau vor der Einführung der GKV-Behandlungsstrecke. „Diese Zahlen belegen, dass konsequente Prävention und Therapie parodontaler Erkrankungen durch den gesetzlichen Rahmen nicht mehr möglich erscheinen, obwohl die GKV-Behandlungsstrecke das Potenzial für eine umfassende, wissenschaftlich fundierte Betreuung der Patientinnen und Patienten in Hinblick auf die Volkskrankheit Parodontitis in Deutschland zeigt“, so die Fachgesellschaft.

Angesichts der Gefahr synergistischer Effekte und vor dem Hintergrund der bekannten allgemeinmedizinischer Zusammenhänge mit Parodontitis fordert die DG Pro eine kritische Diskussion der entsprechenden Beschlüsse, welche die Gesetzgebung maßgeblich beeinflussen.

Ein Literaturverzeichnis kann per E-Mail an leserservice@dzw.de angefordert werden.

Titelbild: oneinchpunch – stock.adobe.com