Anzeige

Premium Article

Premium Article
0

Advertorial

Advertorial
0

Prophylaxe neu denken

Der Kommentar von Chefredakteur Marc Oliver Pick

In der Zahnmedizin genießen die Themen Prävention und Prophylaxe seit jeher einen hohen Stellenwert. Daran erinnert nicht zuletzt der Tag der Zahngesundheit als etablierte Größe Jahr für Jahr Patientinnen und Patienten und rückt beharrlich das Thema Vorsorge ins Bewusstsein.

Niemand bestreitet heute noch ernsthaft, wie sehr Allgemeingesundheit und orale Gesundheit zusammenhängen, wie groß der Einfluss einer gesunden Mundhöhle – Zähne sind nur ein Teil davon – auf den Wert Gesundheit an sich ist. Über die Jahre hat sich das Verständnis von Prävention, in den Zahnarztpraxen als Prophylaxe professionell umgesetzt, immer weiter verfeinert.

Barrierefunktion einer gesunden Mundhöhle

In der Mundhöhle manifestieren sich nicht nur Symptome einer wie auch immer gearteten Allgemeinerkrankung, sondern eine beeinträchtigte orale Gesundheit kann Erkrankungen an ganz anderer Stelle des Organismus hervorrufen. Nicht zuletzt die Corona-Pandemie hat deutlich gezeigt, wie wichtig die Barrierefunktion einer gesunden Mundhöhle ist und welche Einbußen an Barrierefunktion ein parodon­tales Krankheitsgeschehen auf die Abwehrleistung des Körpers hat.

Wie die Einordnung oraler Gesundheit in einen mehr und mehr medizinischen Kontext voranschreitet, verändert sich auch der Blick auf die vielfältigen Ursachen oraler Erkrankungen. Die Rolle des oralen Mikrobioms rückt zunehmend intensiver in den Fokus. Dass die Zusammensetzung mikrobieller „Gemeinschaften“ massive Auswirkungen auf den Status „gesund“ oder „krank“ hat, ist in den vergangenen Jahren immer deutlicher herausgearbeitet und vielfach belegt worden. Längst wird an Methoden geforscht, inwieweit eine aus­gewogene Ernährung oder der Einsatz von Probiotika das orale Mikrobiom positiv beeinflussen können.

Mikrobiom: Entscheidend sind Gleich- oder Ungleichgewicht

Diesen Aspekt nimmt auch unser Fachautor Dr. Jan H. Koch ins Visier und plädiert deshalb aus nachvollziehbaren Gründen dafür, Prävention und vor allem Prophylaxe in viel stärkerem Maße als bisher unter dem Gesichtspunkt „orales Dysbiose-Management“ zu betrachten. Die Herausforderung: Es braucht zuverlässige mikrobiologische Tests, am besten chairside, um qualitative Aussagen zur Zusammensetzung des aktuell in der Mundhöhle eines Patienten präsenten Mikro­bioms machen zu können. Der Nachweis des bloßen Vorhandenseins pathogener Keime allein reicht nicht aus. Entscheidend sind Informa­tionen über das bestehende Gleich- oder Ungleichgewicht.

Es braucht aber auch Elemente der „sprechenden Zahnmedizin“, wie sie etwa in der Parodontitis-Richtlinie erstmals verankert wurden. Und es braucht verlässliche und leistungsadäquate Abrechnungsziffern, wie sie heute schon in der GOÄ zur Verfügung stehen. Zahnärztliche Beratungsleistungen, zum Beispiel in Form einer Ernährungsberatung oder im Sinne einer Raucherentwöhnung, sind aufwendig und bedürfen der stärkeren Quervernetzung verschiedener medizinischer Disziplinen, von denen die Oralmedizin ein wichtiges Teilgebiet ist. 

EFP warnt vorm „Dampfen“

Zur sprechenden Zahnnmedizin ein aktuelles Beispiel: Ganz frisch warnt die European Federation of Periodontology davor, das „Dampfen“ beziehungsweise den Gebrauch von E-Zigaretten als vermeintlich weniger schädliche Alternative zum Rauchen und damit als Übergangsstrategie zur Tabakentwöhnung zu empfehlen. Das Schädigungspotenzial des Dampfens für allgemeine Gesundheitsprobleme sei zwar vermutlich geringer als das Tabakrauchen, die Mundhöhle werde aber in vergleichbarem Maße geschädigt. Angesichts der rasant steigen­den Zahlen von „Vapern“ ist das eine Information, die jede Zahnarztpraxis an ihre entsprechenden Patienten weitergeben sollte.

Der Dreiklang aus Diagnostik, Dysbiose-Management und sprechender Zahnme­dizin könnte so gesehen die bestehenden Säulen der Prophylaxe sinnvoll ergänzen und weiter aufwerten.

Tags